Lacher mit 3 F: Facebook, Fakten, Fakus Online

17.02.2017

Focus Online will Facebook im Kampf gegen Fake News unterstützen. Wirklich?

Es war eine Meldung wie geschaffen für „So lacht das Netz über…”: Focus Online soll für Facebook  den Weißen Ritter im Kampf gegen Fake News spielen. So berichtet es jedenfalls der Spiegel, dem Focus Online „grundsätzliche Bereitschaft” bestätigte. Abgesehen vom auf der Hand liegenden Kalauer „Faken, Faken, Faken” in Anspielung an einen alten Focus-Slogan bietet die Partnerschaft in der Tat genügend Stoff für Humoreskes.  

Denn für detaillierten Faktencheck war das als Clickbaiter verschriene Portal aus München bislang nicht bekannt. Von der BILD zum Beispiel landen Meldungen teilweise schneller auf Fakus, äääh, Focus Online als auf BILD.de. In rasanter Geschwindigkeit wird munter abgepinselt, ob die Story der Kollegen wahr oder falsch ist, ist da höchstens drittrangig. Hauptsache, sie klingt schmissig und bringt Klicks.

Inzwischen wurde Focus Online von BILD gar wegen Diebstahls verklagt, da sich regelmäßig mindestens das halbe Blatt auf Focus Online wiederfand, das auch dadurch zur gemessen an Unique Usern reichweitenstärksten News-Site in Deutschland wurde. Deren Boss Julian Reichelt bezeichnete die Münchener Kollegen mal als Diebe. Nun sollen die Diebe also zur Spezialeinheit im Kampf gegen Falschgeld ausgebildet werden. Womit wir wieder bei „So lacht das Netz…” wären.

Facebooks vermeintliche Offensive gegen Fake News

Weniger lustig ist das bisherige Vorgehen von Facebook bei seiner vermeintlichen Offensive gegen Fake News. Zunächst feierte man öffentlichkeitswirksam die Kooperation mit dem Recherche-Organ Correctiv. Bis deren Macher verkündete, man brauche schon Geld, um den Kampf wirksam zu bestreiten. Nur für den Fame würde auch Correctiv die Arbeit nicht aufnehmen. So hatte sich das aber Facebook offenkundig vorgestellt. Nicht auszumalen, derartige Methoden würden in die PR Einzug halten. „Wie, Sie wollen Geld für die Kampagne? Reicht es Ihnen nicht, sich mit unserem Namen in der Referenzliste schmücken zu dürfen?”

Diverse News-Sites hatten dann auch schnell abgewunken. Focus Online dagegen wittert die Chance, das Image blankzuwienern. Die mögliche Kooperation steckt voller Haken und Rätsel. Eines davon: Was passiert, wenn die Kollegen von BILD Fake News produzieren (siehe Fressgas-Sex-Mob)? Brandmarkt Focus Online dann Storys und damit Website des Wettbewerbers als unglaubwürdig? Die Gefahr von Missbrauch liegt nahe, es sei denn, die Wächter scannen nur Sites aus dem professionellen Fake-Gewerbe. Das würde ihren Wirkungskreis allerdings arg einschränken.

Dass überhaupt kommerzielle News-Sites als Partner gesucht werden, ist der Kardinalsfehler. Eine neutrale Instanz wie die DPA wäre die bessere Wahl gewesen, die Agentur hat sich jedoch leider einer anderen Initiative zur Bekämpfung von Falschmeldungen angeschlossen. So steht der Beleg dafür weiterhin aus, dass Facebook das Problem wirklich ernst nimmt. Die Akquise von Focus Online ist er jedenfalls nicht.

Dirk Benninghoff

setzt als Chefredakteur digitale Storytelling-Impulse. Die bringt er unter anderem von der FTD, stern.de und BILD.de mit.

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