5 Dinge Über Buzzfeed, Die Dein Leben Verändern Werden

15.08.2014

... ohne das 90-Minuten-Interview mit Jonah Peretti lesen zu müssen.

Über mehrere Termine hinweg traf der britisch-amerikanische Journalist Felix Salmon HuffPost- und Buzzfeed-Gründer Jonah Peretti zu einer Reihe von ausführlichen Interviews. Das Ergebnis ist ein überbordendes und ganz un-Buzzfeediges Riesenwerk, das locker anderthalb Stunden Lesezeit in Anspruch nimmt. Es ist jede Sekunde wert und liefert sehr viele Insights über die moderne Medienwelt. Wer diese Zeit nicht investieren kann, für den haben wir die wichtigsten Erkenntnisse herausgezogen:

1. Es geht um den Leser, den Leser, und noch mal um den Leser

Buzzfeed startete als Experiment während Peretti noch bei der Huffington Post war. Zuvor hatte Peretti viel im Netz probiert, virale Effekte erzielt, als es das Wort und Social Media nicht einmal im Ansatz gab – seine Nike-Email ist vielleicht der erste größere virale Content ever im Netz gewesen. Seitdem beschäftigt sich Peretti mit der Frage, WIE Menschen auf Inhalte reagieren, was sie interessiert und was sie teilen. Er ist kein Journalist, er ist kein Weltverbesserer und er ist auch kein Medienmogul. Seine Mission ist nicht die Nachricht, sondern der Mensch, den sie erreicht. Das ist zentral zu verstehen, denn diese Leser-zentrische Perspektive (nicht: die Nachricht, nicht: Wahrheit um jeden Preis, nicht: Aufklärung, nicht: investigativ-Journalismus, nicht: die Titelseite, nicht: Seite 3) sind von Anfang an Kern. Nur wer das versteht, versteht, was Buzzfeed aus- und andersmacht. Es ist eben nicht der Anspruch altehrwürdiger Medien, die – als vermeintliche vierte Gewalt – versuchen, einen Kanon über den gesellschaftlichen Diskurs von oben herab zu prägen. Peretti schaut dem Volk hemmungsloser auf den Mund als jeder Helmuth Thoma es je gewagt hätte.

2. Es geht NICHT um Katzenvideos

In deutschen Medien wird Buzzfeed oft auf Katzenvideos und Listen verkürzt (mittlerweile sind Quizze übrigens erfolgreicher als Listen). Aber das trifft nicht den Kern des Erfolgs. Buzzfeed startete damit, dass Redakteure die besten Fundstücke im Netz tagesaktuell sammelten und verbreiteten. Coole Themen, mit denen man auf Parties punktet. Der Inhalt: Egal, es geht um Convenience und Unterhaltung. Mittlerweile ist daraus das volle Spektrum einer News-Plattform geworden, mit allen Vertikalen, die ein Medium haben kann – INKLUSIVE Nachrichten aus Politik und Weltgeschehen. Aber: die User-zentrierte Aufbereitung, die Aktualität, die Geschwindigkeit, all das wurde dorthin übertragen. Damit ist Buzzfeed (neben Vox und Vice) eines der wenigen großen, sich etablierenden Medienhäuser, die komplett aus dem Digitalen kommen und nicht mehr im Kern TV, Radio, Print, etc. denken. Und auch wenn man noch lustigen Cat-Content findet – Buzzfeed-Inhalte sind alles andere als banal! Und vor allem, weil sie konsquent vom Leser gedacht und dahin aufbereitet werden, sind sie „sticky“ und „contagious“. Beat this!

3. Buzzfeed ist Leitmedium

Bei jeder amerikanischen Präsidentschaftswahl gibt es ein Medium, was genau die Stimmung der Kampagnen trifft und sich durch eine neue Form der Berichterstattung etablieren kann. Bei der letzten Wahl war dies Buzzfeed. Geradezu überholt wurden die tradierten Medien dann bei dem Attentat in Boston, als es Buzzfeed war, das den zweiten Attentäter anhand des Twitter-Avatars identifizierte und zur ersten Anlaufstelle für die sich entwickelnde Story wurde. Damit ist Buzzfeed direkte und ebenso gehörte Konkurrenz zu den tradierten Medien wie NY Times oder Washington Post oder oder.

4. Eine Headline ist nur so gut wie der Inhalt

Buzzfeed ist mehr als eine Headline-Technik. Gerade durch den Erfolg von Seiten wie heftig.co hat man oft den Eindruck, dass es vor allem um spannende Überschriften geht, um viele Klicks zu erreichen. Im Gegenteil, folgt man Perettis Leser-zentriertem Ansatz: Eine Überschrift, die User zu einem Inhalt führt, der sie enttäuscht und NICHT interessiert, ist kontraproduktiv und führt sie eher von einer Seite weg.

5. Mehr gibt es nicht

Jede gute Liste auf Buzzfeed hat fünf Punkte. Das hier ist aber nicht Buzzfeed. Und deswegen ist jetzt Schluss.

Nur noch eine abschließende Bemerkung: Buzzfeed markiert eine tektonische Verschiebung in der Medienwelt. Jede abfällige Einschätzung tradierter Medienmacher zu diesem Thema geht daran vorbei, dass hier eine Plattform einen ganz eigenen, sehr effektiven Weg gefunden hat und wirklich funktionierenden Social Content erfindet. Das ist ein Paradigmen-Wechsel, der auch Marken und Medien betrifft. Denn Seiten wie Buzzfeed zeigen, dass man mit Content genau dann erfolgreich ist und echte Wirkung erzielt, wenn man sich konsequent an den Zielgruppen orientiert.

Johannes Buzási

leitet die Werbeunit der fischerAppelt-Gruppe und ist Stratege mit besonderer Passion für Technologien und Content.




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