Schön, dass es Dich gibt!

23.05.2019

Unser Director Public Affairs Dr. Florian Eckert über 70 Jahre Grundgesetz

Es ist jung, frisch und immer aktuell – trotz seiner 70 Jahre. Die Welt da draußen hat sich seit dem 23. Mai 1949 verändert, das Werk selbst hat aber Bestand und gibt Orientierung wie eh und je. Kein Wunder, dass die Deutschen ihr Grundgesetz lieben.

Gerne wird in diesem Zusammenhang sogar vom „deutschen Verfassungspatriotismus“ geredet. Dass es sich dabei nicht um eine leere Worthülse handelt, zeigen die gesellschaftlichen Zustimmungswerte: 88 Prozent der Bevölkerung sind der Meinung, das Grundgesetz habe sich in den vergangenen Jahren „sehr gut“ oder „gut“ bewährt. Das ist stark und macht Mut – gerade in Zeiten, in denen populistische Debatten Grundwerte vermehrt in Frage stellen.

Es schützt und organisiert

Die Artikel des Grundgesetzes bewahren konkret eine freiheitlich demokratische Grundordnung, achten den Einzelnen und schützen seine Persönlichkeit. Es beginnt mit einem Versprechen an die Menschen im Land: Ihre Würde ist unantastbar und keiner kann sie ihnen nehmen – sie haben Bestand. Die Freiheitsrechte, sie schützen unser selbstbestimmtes Leben. Unser friedliches Zusammenleben, unsere Rechte und die Organisation von demokratischen Entscheidungen fußen auf 15 Abschnitten (Staatsaufbau, Regierungsarbeit, Rechtsprechung etc.) und 146 Artikeln. Unsere komplexe Gesellschaft mit ihren unterschiedlichen Zielen und Wünschen basiert so auf einem vergleichsweise überschaubaren Regelwerk.

Schlicht, einfach aber genial: Die Süddeutschen Zeitung betitelte das Grundgesetz als „weltliche Staatsreligion“, das Magazin Cicero spricht vom „puren Gold“.

Schwieriger Beginn

Die positiven Zustimmungswerte musste sich das Grundgesetz jedoch erst hart erarbeiten. Von purem Gold war vor sieben Jahrzehnten jedenfalls noch wenig zu sehen. Nach dem Ende des Krieges glich die Einigung auf ein gemeinsames Regelwerk eher einer Risikogeburt und die „Mütter und Väter“ des Grundgesetzes einer Zwangsehe der föderalen Vertreter, die von den Siegermächten dazu gedrängt wurden, sich eine eigene Verfassung zu geben. Erst nach langem Ringen und heftigen Diskussionen einigte man sich auf ein gemeinsames Regelwerk. Beachtung fand dies in der Bevölkerung damals jedoch kaum. Für die kriegsgebeutelten Deutschen war die Geburtsstunde höchstens eine Randnotiz – man hatte schlichtweg andere Probleme kurz nach Kriegsende.

Wieso haben die Deutschen angefangen, ihre Verfassung so zu schätzen? Die Antwort hierauf ist vielschichtig. Die Wahrheit liegt im Zusammenspiel der Rechtsinhalte demokratischer Freiheit und dem gewachsenen Vertrauen in ihre Durchsetzung – sie ist Garant für Halt, Ausgleich und gesellschaftlichen Frieden.

Zeitlos und menschlich

Ob Entnazifizierung, 68er Bewegung, der RAF-Terror oder die friedliche Revolution und Wiedervereinigung – das Grundgesetz gibt und gab die Leitplanken für zeitloses politisches Handeln vor, innerhalb derer sich politischen Entscheidungsträger bewegen dürfen.

Es definiert den Rahmen rechtstaatlicher Werte und gibt gleichzeitig Spielraum, um diese immer wieder mit Leben zu füllen. Seine Inhalte bleiben aktuell. Die Artikel des Grundgesetzes bilden einen Gegenpol zum hektischen, lauten und häufig egozentrisch wirkenden exekutiven und parlamentarischen Tagesgeschäft.

Was so lange so erfolgreich ist, was so zeitlos menschlich ist und den gesellschaftlichen Frieden schützt, ist jedoch auch in besonderer Gefahr. Jede Anpassung verändert die Struktur und das Zusammenspiel von Normen. Deswegen sollten wir nicht nur dankbar sein für das, was vor heute 70 Jahren in Bonn unterzeichnet wurde, sondern es bewahren und so wenig wie möglich daran verändern. Die zurückliegende Zeit hat ihm Recht gegeben.

Nur eines sollten wir machen: Es öfter mal in die Hand nehmen.
Danke, Grundgesetz! Und: Happy Birthday!

Dr. Florian Eckert

leitet seit September 2017 den Bereich Public Affairs bei fischerAppelt.




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