#BeatPopulism auf der re:publica Dublin

24.10.2016

Wie schlägt man Populisten? Unsere Installation auf der re:publica in Irland.

Klein, aber fein. Eine Klassenfahrt. Das wünschten sich Johnny und Tanja Haeusler, Andreas Gebhard und Markus Beckedahl für die erste re:publica im Ausland. Groß und kaum überschaubar ist die Berliner Ausgabe des Festivals mit zuletzt 8.000 Teilnehmern geworden. Und auch wenn viele Gäste mittlerweile aus dem Ausland kommen, wuchs die Einsicht, dass eine europaweite Diskussion über die Digitalisierung nötig wird. Und die wird laut den Veranstaltern in anderen Ländern noch kaum geführt.

Hallo IRL – in real life Populisten schlagen

Dublin als lebendige europäische Großstadt zwischen Wirtschaftskrise und Aufbruch war die richtige Wahl für den ersten Schritt ins Ausland. Und wie schon im vergangenen Jahr mit der Aktion „Lass die Helden heulen“, die gerade erst den MIIA-Award gewonnen hat, wollten wir wieder Aktionskunst mit Inhalt verbinden.

#BeatPopulism – das Motto unserer diesjährigen Installation. Eingebettet als Element der Hostel-Lounge beschäftigten wir uns mit dem Zusammenhang von Populismus und Social Media. Auf einem mehr als drei Meter hohen Hau den Lukas haben wir 16 Populisten – sortiert nach ihrer Reichweite im Social Web – aufgehängt. Wer mit dem Hammer schlug, brachte die Augen der Populisten mit LEDs zum Funkeln. Ultraschall-Sensoren lösten auf einem Monitor eine Reaktion der Populisten auf den Schlag aus. So kamen wir mit den Teilnehmern der re:publica ins Gespräch und lockten auch Gäste des Generator Hostels an. Über 90 Meter Kabel für die Leuchtdioden wurden verlegt, 12 Bonduelle-Bohnendosen sorgten spontan für die notwendige Stabilität. Tinkering at its best.

Extreme tweeting: Wie Social Media Populisten stark macht

Neben der Aktion im Hostel diskutierte unser Digitalstratege Christian Clawien in einer lebhaften Session zusammen mit Dr. Jane Suiter vom Institute for Future Media and Journalism über den Erfolg der europäischen Populisten und darüber, wie Medien mit diesem Phänomen umgehen sollten.

Beeindruckend sind die Reichweiten von zum Beispiel Beppe Grillo. Der italienische Satiriker der 5-Sterne-Bewegung hat zehnmal mehr Follower als eine der wichtigsten italienischen Tageszeitungen, die „Corriere della Sera“ (vier Millionen vs. 320.000 Abonnenten). Vor allem Populisten vom stark rechten und linken Lager sind in Social Media erschreckend erfolgreich. Populistische Tweets werden im Durchschnitt 28-mal geteilt, gemäßigte hingegen nur sechsmal.

Dr. Jane Suiter nennt den Rückgang der Bedeutung von Kirchen und Gewerkschaften als einen Grund, warum immer mehr Enttäuschte geradezu fanatisch Populisten feiern. Auch der Echokammer-Effekt in sozialen Netzwerken trägt dazu bei, dass sich die Fronten verhärten. Auswege sah das Panel unter anderem in stärkerer Transparenz über die Selektion der Inhalte auf den Plattformen und mehr Möglichkeiten der User, den eigenen Newsfeed selbst zu kontrollieren. Auch ein stärkeres authentisches Social-Media-Engagement der Gemäßigten könnte den Populisten Paroli bieten. Doch auch hier: Einfache Antworten gibt es nicht.

re:publica 2017: LOL – Love out loud

Nach Abschluss der 20 Sessions mit 200 Besuchern wurde das Motto der re:publica 2017 präsentiert: „Love out loud“. In Anlehnung an LOL soll es darum gehen, wieder einen stärker positiv gerichteten Blick auf die Digitalisierung einzunehmen und sich klar gegen Hass, Gewalt und Radikalisierung im digitalen Raum zu bekennen.

Wir sind sicher wieder in Berlin am Start. Einen Rückblick über die weiteren Sessions gibt es bei den IrishTechNews und in der Irish Times.

Fotos: Frederik Schmidtke

Christian Clawien

beschäftigt sich bei fischerAppelt mit digitalen Themen, der Tech-Branche und vermittelt zwischen Marke und Zielgruppe.




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