Blockchain Unchained

22.12.2017

Mit der WIRED auf Kryptokurs

Zu dritt machten wir uns auf den Weg in die WIRED-Zentrale nach Berlin, um uns per Druckbetankung zum Thema Blockchain aufzuschlauen und über mögliche Anwendungsfelder nachzudenken. Unser Host des Tages war der Blockchain-Experte Per Håkansson, der seinen Kaffee vorzugsweise mit Bitcoin bezahlt, wenn er nicht gerade für Vorträge um die Welt reist.

Außer uns hatten sich Journalisten, Mitarbeiter von Start-ups, Anwälte und Berater eingefunden, die alle ganz unterschiedliche Erfahrungen mit dem Hype-Thema mitbrachten.

Was ist eigentlich eine Blockchain?

Blockchain-Experte Per Håkansson

Zunächst die Basics: Blockchain ist eine Datenbank, auf der alle Transaktionen zwischen den Teilnehmern eines Netzwerkes dezentral gespeichert werden. Was zunächst sehr abstrakt klingt, ist nichts anderes als eine transparente Methode, mit der Transaktionen zwischen den Nutzern lückenlos nachvollzogen werden können, da jeder Nutzer eine eigene Kopie der Datenbank besitzt.

Überall, wo bislang eine vertrauenswürdige Institution zwischen zwei Parteien vermittelte, könnte nun ein Peer-to-Peer Netzwerk auf Basis einer Blockchain den Mittelsmann ersetzen. Dabei ist es unerheblich, welche Art der Transaktion in der Datenbank festgehalten wird. Denkbar sind Werte einer Währung, Immobiliengrundbücher oder Verträge. Die betroffenen Intermediäre in den drei genannten Beispielen sind Banken, Notare und Anwälte, um nur einige Branchen zu nennen, die sich auf Disruptionen gefasst machen müssen.

Den Netflixern unter euch sei die Dokumentation „Banking on Bitcoin“ ans Herz gelegt.

Don’t believe the hype?

Auf Bitbonkers kann man in Echtzeit das Volumen aller Transaktionen auf dem Kryptowährungsmarkt verfolgen. Alternativ zeigt CoinMarketCap den tagesaktuellen Kurs der einzelnen Kryptowährungen. Wem dies zu abstrakt ist, um die Tragweite des Hypes nachzuvollziehen, der muss sich einfach vergegenwärtigen, dass inzwischen sogar Ugly-Crypto-Sweaters ihre Abnehmer finden und über 17 Millionen Dollar in Kryptowährung für den Tausch und die Aufzucht von virtuellen Kätzchen ausgegeben wurden. Sogar Donald Trump muss sich bei den Suchanfragen auf Google von der bekanntesten Kryptowährung Bitcoin geschlagen geben. Kein Wunder also, dass man das Wort Bitcoin inzwischen auch in Gesprächen in U-Bahnen und an Supermarktkassen aufschnappt. Doch auch im seriösen Business-Kontext erreichen uns täglich neue Schlagzeilen über Firmen wie Robert Bosch Venture Capital, die massiv in Blockchain investieren.

Die aktuelle Goldgräberstimmung bei den Kryptowährungen wird häufig mit der Hysterie zu Zeiten der Dotcom-Blase verglichen. Doch auch wenn mit dem Platzen der Blase viele überbewertete Firmen vom Markt verschwanden, bremste dies nicht die steigende Zahl innovativer digitaler Geschäftsmodelle. Aktuell ist noch nicht abzusehen, ob der Höhenflug einzelner Kryptowährungen anhalten wird – aber die Geschäftsmodelle auf Basis der Blockchain sind nicht mehr aufzuhalten.

Was bedeutet das für uns?

Wir sind überzeugt, dass wir eine Technologie zunächst verstehen müssen, wenn wir darüber kommunizieren. Während Banken, Versicherer und Juristen bereits eifrig an Lösungen auf Basis der Blockchain arbeiten, sind die Auswirkungen für die Werbebranche noch unklar. Es ist davon auszugehen, dass auch in unserer Branche Geschäftsmodelle, die auf Intermediäre basieren, zukünftig in Bedrängnis geraten. Beispielsweise könnten Kunden durch die Blockchain-Technologie direkt mit den Betreibern von Werbeplätzen Verträge aushandeln, ohne Media-Agenturen als Vermittler einzuschalten.

Mehr Transparenz

In einer Branche, die sich durch lange Wertschöpfungsketten häufig den Vorwurf mangelnder Transparenz gefallen lassen muss, könnte die Blockchain durch Smart Contracts und offen einsehbare Transaktionskosten für mehr Transparenz sorgen.
Beispiel: Das Start-up Adtoken will mit einer Blockchain-basierten Whitelist für Publisher gegen Bot-Traffic und Malvertisement vorgehen. Mehr zum Thema: Wie Blockchain die Werbung verändert.

Mehr Geschwindigkeit

Unternehmen werden speziell in der Kommunikation mit Kunden an ihrer Reaktionsgeschwidigkeit gemessen. Smart Contracts und Marketing Automation ermöglichen in Zukunft schnellere Reaktionen auf das Marktgeschehen und durch den Einsatz von Blockchain werden bremsende Dritte aus der Wertschöpfungskette entfernt. Ein Beispiel: Synero arbeitet an einer dezentralen Plattform auf Blockchain-Basis, die Content-Ersteller direkt mit den Abnehmern connecten möchte.

Mehr Verständnis

Es ist nicht einfach, über abstrakte Technologie zu berichten. Durch die Beschäftigung mit dem Thema Blockchain ergibt sich die Chance, Unternehmen bei der Kommunikation zu unterstützen und das Thema für Endkunden greifbar zu machen. Das gilt sowohl für die PR als auch für das Design an der Schnittstelle zwischen Technologie und Konsument. Mehr zum Thema: Warum die Blockchain-Technologie zur Königsdisziplin der Kommunikation werden kann und warum Designer anfangen sollten, sich genau darüber Gedanken zu machen.

Mehr Spielen

Die Lust auf Neues können wir bei Kreativen und den beauftragenden Unternehmen nur wecken, indem wir experimentieren und uns spielerisch neuer Technologie widmen. Genau wie bei unseren Use Cases für Creative Technology beschäftigen wir uns frühzeitig mit dem Thema Blockchain, um Geschäftsmodelle zu erschließen und neue Chancen für die Kommunikation zu erkunden.

Frederik Schmidtke

beschäftigt sich bei fischerAppelt mit digitalen Strategien, Zielgruppen und Innovationen.




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