Die Content-Zentrale 4.0

03.06.2015

Moderner Newsroom: Inhalte kanaladäquat spielen und schnell auf Nachrichtenlagen reagieren.

So ein Corporate Newsroom ist eigentlich eine feine Sache: Inhalte jeglicher Art können in so einem Content-Center paketiert, formatiert und kanaladäquat distribuiert werden. Welcher Content von wem im Newsroom entweder als klassische Pressmitteilung, als Blogbeitrag, als Facebook-Posting oder als Youtube-Video konfektioniert und dann ausgesendet wird, bedarf eines Konzepts – und ein wenig Zeit, um darüber nachzudenken.

Vor allem in Krisensituationen sind Newsrooms besonders wertvoll. Wenn es hoch hergeht und ständig neue Informationen eintreffen, sich die Nachrichtenlage permanent verändert oder bisweilen dramatisch zuspitzt, schafft ein integriertes Content-Center den nötigen klaren Blick. Aus diesem Umfeld entwickelt sich nun eine neue Generation von Newsrooms. Es sind nicht mehr die Content-verarbeitenden Einheiten, die lediglich Inhalte versenden. Der Newsroom 4.0 empfängt – teilweise in Echtzeit – für das Unternehmen relevanten Content, gleicht ihn mit eigenen Inhalten ab und reagiert schnell und effizient auf die veränderte Nachrichtenlage.

Welt / N24 Newsroom, Quelle: Die Welt

Taktgeber dieser Entwicklung sind auch hier wieder große, vor allem amerikanische Medienhäuser. Die „Time-Gruppe“ etwa fokussiert sich immer stärker in ihren Newsrooms auf Social Media als Vertriebsform, während eine andere große amerikanische Publikation, die „Arizona Republic“, ihren Newsroom nach dem Prinzip des „responsive journalism“ umgestaltet. Das heißt, jeglicher Content wird formatübergreifend produziert und distribuiert. Wohl am anschaulichsten zeigt gerade der Umbau des Welt/N24-Newsrooms, wie ein Corporate-Content-Center in Zukunft aussehen wird. Welt-Chefredakteur Jan-Eric Peters bezeichnete jüngst sein Konzept als „Newsroom der drei Geschwindigkeiten“. Hier sind Print, online und vor allem Bewegtbild zwar gleichberechtigte Content-Träger und Kanäle. Sie agieren aber entsprechend ihrer Reaktionsgeschwindigkeit auf Ereignisse orchestriert wie in einer Kaskade aufeinander aufbauend. Schnell und „kurz“ wird der digitale und dort insbesondere der Social Media Kanal eingesetzt. Die Tageszeitung (auch als E-Paper) ordnet ein, vergleicht, beschreibt. Die Sonntagszeitung (Welt am Sonntag) analysiert und kommentiert. Während im Hintergrund immer auch Bewegtbildangebote – quasi als „dritter Gang“ im Newsroomgetriebe – das Angebot komplettieren.

The New York Times Headquarter, Quelle: Joe Shlabotnik

Wie konkret der „Next Generation Newsroom“ aussehen wird, und wie dieser sich auch in der Unternehmenskommunikation immer mehr von „push“ zu „pull“ entwickeln wird, ist Thema beim traditionellen Dinnertalk im Frankfurter Büro von fischerAppelt. Eins ist klar: Ob das Corporate-Content-Center in Zukunft „responsive“ sein wird, nur noch über Social Media Kanäle versendet und empfängt oder Bewegtbild klassische „Pressemitteilung“ ersetzt – Kommunikation muss radikal anders, digital und als „Interaktion“ begriffen werden.

Harald Ehren

ist als Chefredakteur verantwortlich für alle Content-Formate und war Gründungsmitglied der FTD.




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