Ein Wirtschaftskrimi: MWC20 in Barcelona

13.02.2020

Zur Absage des Mobile World Congress in Barcelona

Barcelona El-Prat. Landung. Menschenmassen. Schlangen vor der Badge-Ausgabe am Flughafen. Die Vorfreude steigt. Eigentlich hätte so mein Besuch der MWC20 in diesem Jahr begonnen. Startups aus aller Welt auf dem 4YFN, Seminare aus dem Partnerprogramm. Informelle Gespräche. Daraus wurde nichts. Der Grund: Covid19 – der Coronavirus. Ein Wirtschaftskrimi erster Güte war das, was mich und hunderttausend Besucher, dutzende Aussteller, die Stadt, die lokale Wirtschaft und die Regierung von Barcelona in Atem gehalten hat.   

Absage, Verschiebung, Verkleinerung?Los ging es mit der Absage von LG, es folgten Hard- und Softwarefirmen, Facebook, Google und viele weitere große Namen der Mobile- und Tech-Branche. Aber auch 2.000 kleinere Aussteller, die nicht wussten was nun passiert. Als dann gestern der Rat der Veranstalterorganisation GSMA mit den großen Mobilfunk-Betreibern aus aller Welt zusammenkam und auch Vodafone, Telekom und andere abgesagt hatten, ging kaum einer davon aus, dass der MWC20 stattfinden wird.  Doch spanische Medien tickerten über Reuters: Der MWC20 findet statt – erst am Freitag wird entscheiden. Nach der Hängepartie rieb man sich die Augen – man wolle die Lage der Ausbreitung des Virus’ erstmal weiter beobachten. Doch dann kam alles anders. Gegen 19:30 am Mittwochabend dann die endgültige Absage.

Wahnsinniges Kräftemessen

Fast 500 Millionen Euro direkt und indirekt hängen an dem Event. Zehntausende Hotelbuchungen, Restaurantreservierungen, Fahrdienste, Messebauer, Servicekräfte. Und ja – auch die Escort-Services melden sich sorgenvoll zu Wort in der Presse. 14.000 Teilzeitkräfte, die nur für das Event arbeiten.  Der lokalen Regierung ist das bewusst, sie und die GSMA hielten sehr lange am Stattfinden fest, betonten dass es keinen einzigen Corona-Fall in Katalonien gibt, das Gesundheitssystem sei gewappnet. Auch die neuen großen Stars des MWC, Huawei und Xiaomi wollten es bis zuletzt durchziehen.   

Doch gesiegt hat die Vernunft, auch wenn unklar ist, wer welche Stornokosten nun übernimmt. Und wie hoch die Gefahr wirklich ist, oder eher war. Die GSMA zeigt sich hart und spricht nun von höherer Gewalt und will nicht entschädigen. Die Summen, um die es geht, sind enorm und man befürchtet gar die Pleite des Veranstalters. Vorverträge, Stornorichtlinien, Versicherungspolicen. Die Absage wird zum Fall für Wirtschaftsanwälte. Gesiegt hat am Ende die Angst und die Vernunft zugleich. Warum soll man es riskieren, dass in einem riesigen Messehallen-Inkubator mit hervorragenden Bedingungen für Übertragungen – mit tausenden Geräten, die von den meisten Besuchern angefasst werden – der Coronavirus erst eingeschleppt wird?

Ironie des Schicksals?

Auch wenn der organisatorische Aufwand, einer riesigen logistischen Leistung, die immer sehr gut funktioniert hat, nun dahin ist, wird der heutige Blick auf die neuen Infiziertenzahlen alle bestätigen das Richtige getan zu haben. Nachholbedarf gibt aber sicherlich bei der Kommunikation des Veranstalters mit den Gästen. Gerade mal eine E-Mail mit der Verkündung von Sicherheitsmaßnahmen wurde versandt, während auf Twitter ein Programmpunkt nach dem nächsten veröffentlicht wurde, obwohl fast schon klar war, dass es nichts werden wird. Schlussendlich wirkt es wie eine Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet der Kongress, bei dem es um die Vernetzung der Welt und von Menschen geht, genau durch eben diese Vernetzung in die Knie gezwungen wurde. Trotz allem, war es aber wohl das Beste was man tun konnte. Eine Geistermesse mit Mundschutz, Handschuhen und einer No-Handshake-Policy und ohne die wichtigsten Akteure wäre einfach kein echter Mobile World Congress. Bye, bye Barcelona. Hope to see you next year.

Christian Clawien

beschäftigt sich bei fischerAppelt mit digitalen Themen, der Tech-Branche und vermittelt zwischen Marke und Zielgruppe.




Mehr aus dem Blog