Von Fake News und News-Fäkalien

13.01.2017

Eine ganze Fake-News-Industrie wurde inzwischen aus dem Boden gestampft.

Hier ist alles echt. Und eigentlich hatte ich mir vorgenommen, dass „Fake News“ noch nicht mal erwähnt geschweige denn gecheckt werden. Aber inzwischen ist medial alles „Fake“. CNN sowieso. Kurzum: Eine Medienkolumne muss sich wohl oder übel damit auseinander setzen. Und das Ganze ist leider nicht so lustig wie die erfundenen Storys, die Oma auf dem Nachttisch liegen hat.  

Wenn Donald Trump der Hohepriester der Fake News sein sollte, ist Breitbart sein Messdiener

Deutsche Medien verbreiten sogar „Fake Fake News“. Das behauptet zumindest die US-„News“-Site Breitbart.Wenn Donald Trump der Hohepriester der Fake News sein sollte, ist Breitbart sein Messdiener. Beide sind derzeit dabei, den Begriff neu zu definieren. Bislang galten Fake News als populistische Waffe im Kampf gegen den politisch-gesellschaftlichen Gegner, den man mit gezielt produzierten Lügen-Storys schaden will. Jetzt sehen sie sich selbst als Opfer von Falschnachrichten. Die zynische Wendung hat die Hysterie um den angeblich gesellschaftszersetzenden Trend zusätzlich geschürt.

Wenn dir was nicht passt? Fake News. Wenn eine Story nicht offiziell bestätigt ist? Fake News. Wenn Medien und Behörden deine Fake News entlarven? Fake Fake News. Dabei war das Problem auch ohne die Anwendung des Unworts auf alles und jeden schon gravierend. Eine ganze Fake-News-Industrie wurde aus dem Boden gestampft, ihre Plattformen sind denen der Real News zum Verwechseln ähnlich. Vielleicht hat ja Trump auf seiner heiß debattierten Pressekonferenz auch diese CNN-Seite gemeint…

Endlich nimmt sich auch Facebook der Fake-News-Thematik an

Es ist eine Epidemie, wie die Kollegen von Weber Shandwick zu Recht schreiben. Sie haben gar fünf Prinzipien im Kampf gegen Fake News entworfen – Applaus dafür! Leider musste der Strom an falschen Nachrichten zur Seuche geraten, damit sich auch Facebook des Problems endlich annimmt. Denn das Netzwerk ist der wichtigste Absatzkanal der Angst-Industrie. Wenn dieser Kanal trockengelegt wird mithilfe von menschlichen oder maschinellen Fact Checkern hilft das sicher, den Fake-News-Fabriken in Mazedonien und anderswo den Hahn abzudrehen.

Aber es hindert einen wie Donald Trump und andere selbst ernannte Klartext-Redner nicht daran, korrekte oder zumindest halbgare Geschichten als Fake News zu brandmarken, was von ihren Anhängern begeistert aufgenommen wird. Wo seriösen Medien zugetraut wird, Lügen zu verbreiten (und das Vertrauen in Journalisten ist nicht allzu hoch in der Bevölkerung), braucht es kein Loft in Veles mehr, um den Begriff am Leben zu erhalten. Wenn Breitbart wie angedroht nach Deutschland kommt, wird die Branche auch hierzulande professionalisiert. Dann wird Angela Merkel zwar keinen Kinderpornoring betreiben, aber sicher werden häufiger muslimische Mobs auffällig. Fake News werden sozusagen glaubhafter – und dadurch gefährlicher.  

Die verzweifelte Akribie, mit der sich deutsche Medien gegen die Breitbart-Geschichte um eine brennende Kirche in Dortmund wehren, ist nur ein Vorgeschmack auf die bevorstehende Abwehrarbeit vor der Bundestagswahl im Herbst. Entscheidend ist dabei nicht, was wahr und was falsch ist. Sondern: Wem glaubt das Volk mehr, der „Lügenpresse“ oder der Lügenindustrie?

Dirk Benninghoff

setzt als Chefredakteur digitale Storytelling-Impulse. Die bringt er unter anderem von der FTD, stern.de und BILD.de mit.




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