Wenn Maschinen kreativ werden

22.04.2016

Nikolai Bockholt vom Google ZOO war beim SPREAD Festival zu Gast.

Technologie kann magisch sein. Und wenn es jemanden gibt wie Nikolai Bockholt, der diese auch noch einfach erklären kann, macht das Ganze doppelt Spaß. Was sich manchmal wie ein Nerd-Trip anfühlt, wird derzeit Realität: kreative Maschinen – vom Helfer zum Schöpfer. Nikolai arbeitet beim Google ZOO als Creative Services Engineer. Der ZOO ist Googles Think-Tank für Marken und Agenturen. Keine Kreativagentur und auch keine Produktionsfirma, sondern eine kreative Einheit, die dabei hilft Technologien und Plattformen wie z.B. YouTube kreativ zu nutzen.

Augmented Creativity, Machine Learning und Machine Creativity sind Themen, die auch für Content Marketing spannend sein können. Vieles von dem, was heute diskutiert wird, hat seinen Ursprung in den 1960er- oder 1970er-Jahren. Ivan Sutherland zum Beispiel hat die Urform der heutigen CAD-Programme „Sketchpad“ entwickelt. CAD ist heute die Grundlage für den 3D-Druck. Der führende Hersteller Autocad, der sich lange in einer Krise befand, erlebt durch 3D-Druck wieder einen märchenhaften Aufstieg. Auch die erste VR-Brille stammt von Sutherland. John McCarthy entwickelt die Grundzüge für die künstliche Intelligenz von Maschinen bereits in den 1950er-Jahren.

Heute dient Technik vor allem als Katalysator für den kreativen Schaffensprozess. Sie erweitert die Fähigkeiten des Schaffenden und erleichtert die Konzentration auf die eigentliche Aufgabe.

Auf der Basis von Open Source Software wie Tensorflow oder der Google Cloud Vision API zeigt Nikolai eindrucksvolle Beispiele, wie Maschinen heute kreativ werden können.

No man's sky – neue Game-Welten

Die Weltraumerkundungs-Simulation mit Sternensystemen erlaubt Spielern Reisen im Weltall und übergangsloses Entdecken von Planeten und anderen Himmelskörpern, die über individuelle Umweltbedingungen und Lebensformen verfügen. Spieler können handeln, Geschichten verfolgen oder Allianzen für neue Abenteuer eingehen. Mittels künstlicher Intelligenz entstehen unendliche Galaxien.

Hexahedria – Musik mit neuronalen Netzen komponieren

Unser Gehirn ist ein neuronales Netzwerk. Daniel Johnson vom Harvey Mudd College ist es nun gelungen, einen maschinellen Algorithmus so zu trainieren, dass er eigenständig Musik komponieren kann. Das klingt gar nicht schlecht, aber fragt uns nicht, wie genau das funktioniert. Sondern hört es euch einfach hier an.

The next Rembrandt

Ein Algorithmus lässt Rembrandt wieder malen. Sein aktuellstes Bild kommt aus einem 3D-Drucker. Anderthalb Jahre haben Mitarbeiter des Rembrandt-Hauses, der Delfter Universität und Microsoft an der Fertigstellung gearbeitet.

Wordseye – aus Texten werden Bilder

Kann man aus Schrift Bilder machen? Man kann. Wordseye ist ein Projekt in der Beta-Phase, das aus einem Text ein Bild macht. Gibt man zum Beispiel ein „Ein Wal liegt vor einem Berg im Wasser, daneben steht ein Apfel und eine Ziege“, erstellt Wordseye automatisch daraus ein Bild. Verblüffend. Unbedingt ausprobieren! Ob Bernhard und Andreas Fischer-Appelt allerdings das mit Wordseye für uns kreierte neue fischerAppelt-Logo übernehmen, ist noch unklar.

Romeo Reboot

Kommen wir zu personalisierter Werbung dank Machine Creativity. Ein aktueller Case von Axe zeigt dies eindrucksvoll. Eine Story, die in 100.000 verschiedenen Varianten erzählt wird und dabei vier verschiedene Zielgruppen-Segmente anspricht. Axe zeigt, wie „costumized commercials“ aussehen können. Schaut es euch an!

Lass die Helden heulen

Die Beispiele zeigen, wie bereichernd Technologie für die Kreation sein kann. Bei fischerAppelt nutzten wir zum Beispiel 3D-Druck, die Twitter-API und Raspberry Pis, um Kai Diekmann zum Weinen zu bringen und ein Zeichen gegen die Empörungskultur zu setzen. Jedes Unternehmen sollte mit Technologie spielen. Nur so werden innovative Anwendungen möglich.

Christian Clawien

beschäftigt sich bei fischerAppelt mit digitalen Themen, der Tech-Branche und vermittelt zwischen Marke und Zielgruppe.




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