Interview mit Prof. Dr. Lars Rademacher

02.05.2018

„Gerade der Umgang mit Daten und Analytics ist eine riesige Herausforderung."

Am 26. April tagte in unserem Münchner Office der Deutsche Rat für Public Relations (DRPR). Wir haben mit dem neuen Vorsitzenden Prof. Dr. Lars Rademacher über die aktuellen Herausforderungen der PR-Branche, Fake News und die Einrichtung des Lobbyregisters gesprochen.

Herr Prof. Rademacher, vor welchen Herausforderungen steht die PR-Branche im Moment?

Wir sind in einer ganz spannenden Phase. Was jetzt alles technologisch passiert und an politischen Diskussionen läuft, zeigt, dass die PR-Branche in Zukunft noch viel bedeutender wird. Gerade der Umgang mit Daten und Analytics ist eine riesige Herausforderung. Einerseits vom Know-how her betrachtet – also das tatsächlich alles zu verstehen –, aber auch was das Personal angeht. Hier muss genügend Kompetenz inhouse aufgebaut werden. Denn die Frage ist ja: Was kann man alles – und was darf man alles?

Und vor welchen Herausforderungen steht damit einhergehend der DRPR als Gremium der Branchen-Selbstkontrolle?

Ich gehe davon aus, dass durch diese technischen Komponenten die ethischen Probleme, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen, noch einmal ganz andere und ganz neue werden. Beispielsweise was das autonome Fahren angeht: Wenn da ein Unfall passiert, wer ist dann schuld? Ist der Konstrukteur schuld oder derjenige, der gerade mit dem Wagen unterwegs ist – oder aber der Softwareingenieur oder die gesamte Firma? Und das übertragen Sie jetzt mal auf Fälle wie Cambridge Analytica. Die Verantwortungsfrage wird unglaublich komplex und sehr schwer zu klären sein. Wir als Rat werden versuchen, hier Hilfestellungen zu geben. Und vielleicht müssen wir auch noch zusätzliche Ratsmitglieder kooptieren, die technisch hinter die Kulissen schauen. Aber auch, was Richtlinien und Hinweise angehen, wie mit Daten umgegangen werden sollte, werden wir uns einmischen. Zum Beispiel in dem Bereich, wo Blogger und andere damit vielleicht etwas nachlässig mit Trennungsgeboten und Transparenzregeln umgehen. Hier kann man einfach erstmal Verständnis erzeugen.

Welche Chancen sehen Sie, Themen wie Fake News entgegenzuwirken?

Fake News sind kein neues Problem. Letzten Endes glaube ich, dass man wahrscheinlich auf zwei ganz grundsätzliche Tugenden zurückfinden muss: Und zwar sollte man einerseits nach der Plausibilität fragen, ein gutes Stück gesunden Menschenverstand walten lassen und andererseits die Quelle hinterfragen, von der die Information kommt. Also gewissermaßen ein journalistisches Ethos. Bernhard Pörksen von der Uni Tübingen hat gerade ein sehr schönes Buch mit dem Titel „Die große Gereiztheit“ dazu herausgebracht. Darin fordert er, dass wir uns insgesamt gesellschaftlich zu einer redaktionellen Gesellschaft entwickeln müssen. Und bezogen auf Fake News bedeutet das: Wenn es für mich unplausibel ist, was ich da lese oder ich kenne die Quellen nicht, dann muss ich vielleicht einen Meter weiter gehen, als ich es bisher gegangen bin, versuchen die Quelle zu finden und das selbstverantwortlich hinterfragen.

Welche Pläne und Ziele verfolgen Sie als neuer Vorsitzender des DRPR?

Ich möchte versuchen, den Rat und seine Funktionen bekannter zu machen. Das werden wir tun, indem wir uns stärker zu aktuellen Themen äußern, um uns ins Gespräch zu bringen. Und dann werden wir auch versuchen, sehr stark mit Berufseinsteigern in Kontakt zu kommen. Also an die Hochschulen und die Weiterbildungs- und Ausbildungseinrichtungen der Branche gehen, und dort den Rat immer wieder zu positionieren und zu erklären, wofür er da ist.

Sie fordern von der neuen Bundesregierung die Einrichtung eines Lobbyregisters – welche Motivation steckt dahinter?

Ich zitiere da ganz gerne mal Klaus Kocks: „PR ist doch keine Bekenntnisbewegung.“ PR ist eine hochprofessionelle Dienstleistung, die anderen in der geeigneten Art und Weise zur Wahrnehmung verhilft. Dies ist eine Profession, die man durchaus im Licht und der Öffentlichkeit und mit mehr Transparenz durchführen kann. Ich glaube, insgesamt wird unsere Branche sehr stark profitieren, wenn man zeigen kann, dass das nicht alles nur Hinterzimmergespräche sind, sondern dass Einflussnahme im politischen Bereich oft gut begründet ist und sehr viel Expertise beinhaltet. Und so werden auch in vielen Fällen Gesetzesvorlagen in der Qualität verbessert, damit ist Lobbying nicht nur einseitig für eine Partei da. Umgekehrt ist aber auch die Parteilichkeit natürlich legitim, weil es da Lobbyisten auf der einen wie auf der anderen Seite gibt. Möglicherweise trägt das dann zum Ausgleich der Interessen bei. Mein Ziel wäre es, dass Transparenz hergestellt wird, wer in wessen Auftrag Interessen vertritt.




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