Medientage München: Ein Überblick

23.10.2015

Digitale Disruption – so das Thema der Medientage München 2015. Ein Best of.

Eröffnungsrede von Wirtschaftswoche-Chefredakteurin Miriam Meckel:

• Internet-Nutzer sind zunehmend von zu lauter Werbung genervt. Deswegen gilt: Weniger und vor allem gut gemacht ist mehr.
• Gefragt sind Werbeformen, die auf den Nutzer zugeschnitten sind – unaufdringlich, intelligent und individuell.
• Es wird immer schwieriger, Aufmerksamkeit zu gewinnen. Denn mittlerweile klicken Nutzer nach etwa acht Sekunden weg, wenn ihnen der Content nicht gefällt.
• Erfolgreich sind Technologien, die uns fordern und nicht langweilen. Sonst droht „geistige Adipositas“. Um im Kopf beweglich zu bleiben, brauchen wir eine kreative Disruption.

Was wir heute über die Zukunft des Fernsehens wissen sollten

Andreas Steinle (Geschäftsführer des Zukunftsinstituts in Kelkheim), Bertram Gugel (Medienwissenschaftler), Christian Heinkele (Head of Portfolio Management M7 Group), Werner Starz (Director Product Development Eurosport, Discovery Networks CEEMEA) und Dr. Klaus Winkler (Partner Sumbiosis) sprachen darüber, wie wir in den nächsten 30 bis 50 Jahren fernsehen werden. Als Einstieg in die Diskussion stellte Andreas Steinle in seiner Keynote drei Thesen auf:

1. Das Fernsehen der Zukunft ist ein Auto
Wenn Autos in etwa 15 Jahren alleine fahren, werden die Menschen diese freigewordene Zeit für Medienkonsum nutzen. Dadurch wird in Zukunft ein riesiger Datenfluss im Auto entstehen. Apple agiert dabei als Schnittstelle zwischen Hard- und Software.
2. Das Fernsehen der Zukunft ist ein Meta-Service
Für jedes Individuum wird eine riesige Datenmenge entstehen – gespeichert in einer Me-Cloud. Das Auto wird beispielsweise erkennen, dass der Fahrer auf dem Weg zu einem Businesstermin ist und ihm passend dazu Inhalte anbieten. Es wird ein hochgradig vernetztes Ökosystem entstehen, das die Schnittstelle zwischen Fernsehen und Internet schließt.
3. Das Fernsehen der Zukunft ist reale Virtualität
Virtuelles wird so real werden, dass wir den Sprung von Virtualität in die Realität nicht mehr wahrnehmen werden. Die ermittelten Daten werden mit den Bewegtbildinhalten verknüpft und emotional aufbereitet. So könnte zum Beispiel der Herzschlag eines Casting-Show-Kandidaten parallel während des Sendungsfinales angezeigt werden.

Andreas Steinle, Keynote "Was wir heute über die Zukunft des Fernsehens wissen sollten"

Plattformübergreifendes Erzählen – Strategien zur Umsetzung von Projekten

Liz Rosenthal (CEO von Power tot he Pixel), Thomas Kufus (Geschäftsführer zero one film), Prof. Dr. Klaus Schaefer (Geschäftsführer FilmFernsehFonds Bayern), Britta Schewe („gretegrote“ Internetproduktion und Managing Director von joiz Germany) und Thomas Sessner (Leiter Abteilung „Film aktuell“ und Redaktion „Digitale Entwicklung/Mediaevents, Leiter BRnext) diskutierten über neue Ausspielwege von Content und die Chancen, damit Geld zu verdienen.

• 90 Prozent der weltweiten Daten sind in den vergangenen zwei Jahren generiert worden.
• Wer in dieser Datenmasse Aufmerksamkeit erregen will, sollte laut Liz Rosenthal auf einen publikumsorientierten Ansatz setzen. Also im ersten Schritt die Idee entwickeln. Danach die Vorlieben und Gewohnheiten der Zielgruppe analysieren und zum Schluss überlegen, welche Plattform am besten zur Storywelt der Idee passt. Derzeit würden es noch zu viele Unternehmen genau anders herum machen.
• Konventionelle Fernsehsender werden es Thomas Sessner zufolge neben Netflix und Amazon Studios schwer haben – besonders diejenigen, die vor allem auf Formate aus den USA setzen. Um schneller zu werden, sei es wichtig, auf kleine Abteilungen sowie schlanke Entscheidungsprozesse zu setzen und Formate in einem möglichst frühen Entwicklungsstadium zu testen.

Credit: MEDIENTAGE MÜNCHEN

Ricarda Twellmann

beschäftigt sich im Content-Center mit dem digitalen Medienwandel und kanalübergreifenden Format-Fragen.




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