#missingkidsEU: Suchportal für vermisste Kinder

24.05.2016

Initiative Vermisste Kinder startet Suchseite für vermisste Flüchtlingskinder.

Gestern hat die Initiative Vermisste Kinder das Hilfsangebot #missingkidsEU gestartet. Die Plattform soll eine europaweite Suche nach vermissten Flüchtlingskindern über eine zentrale Website, mobile Messenger und die europaweit einheitliche Hotline für vermisste Kinder 116000 ermöglichen. Das Portal ist eine Reaktion auf verschiedene Meldungen zu vermissten minderjährigen Flüchtlingen. Das Bundeskriminalamt wies in den quartalsweise erhobenen Daten zu vermissten Personen die Zahl von 8.537 minderjährigen Flüchtlingen aus, die in Deutschland mit Stichtag zum 01.04.2016 als vermisst galten. In ganz Europa sind nach Schätzungen von Europol etwa 10.000 minderjährige Flüchtlinge in den vergangenen 12 bis 24 Monaten verschwunden. Viele dieser minderjährigen Flüchtlinge sind nach Angaben der europäische Polizeibehörde Europol einer akuten Bedrohung durch paneuropäisch agierende kriminelle Organisationen ausgesetzt.

Ende Januar hat Europol bekannt gegeben, dass in Europa im Laufe der vergangenen zwei Jahre mehr als 10.000 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (umF) als vermisst gelten. Nach den vom 01.04.2016 durch das Bundeskriminalamt über das bundesweite polizeiliche Informationssystem INPOL erhobenen Daten galten zu diesem Stichtag in Deutschland 8.537 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, hiervon 781 Kinder im Alter bis 13 Jahren als vermisst. „In Vermisstenfällen spielt die Unterstützung der Öffentlichkeit eine zentrale Rolle. Es gibt aktuell weder eine zentrale Anlaufstelle für suchende Angehörige, noch eine öffentlich zugängliche Plattform, die eine Übersicht über die Vermisstenfälle bietet und so eine öffentlichkeitswirksame Suche auf der gesamten Route überhaupt erst ermöglicht. Das möchten wir ändern“, so Lars Bruhns, Vorstand der Initiative Vermisste Kinder.  

Neue Plattform: #missingkidsEU bietet unbürokratische Lösung

Das Angebot #missingkidsEU funktioniert über eine öffentlichkeitswirksame Suche unter Einbezug von Bevölkerung, Flüchtlingen und Flüchtlingsorganisationen. Das Portal ist in mehreren Sprachen, darunter arabisch, persisch und türkisch, verfügbar. Organisationen der Flüchtlingshilfe und weiterer staatlicher und nichtstaatlicher Stellen können unbürokratisch einen Zugang zur Datenbank erhalten, um so selbständig eine Meldung aufzugeben oder Informationen abzugleichen. In akuten Notfällen, bei denen von einer besonderen Gefährdungslage ausgegangen wird, kann auf die gesamte Infrastruktur der Initiative Vermisste Kinder zugegriffen werden – zum Beispiel auch auf digitale Ströer-Infoscreens.

Verbesserte Erfolgschancen bei der Suche nach vermissten Flüchtlingskindern

Wie wichtig eine Plattform wie #missingkidsEU ist, zeigt der Fall des zehnjährigen Mahdi, der auf der Flucht von seiner Familie getrennt wurde. Nach wochenlanger Arbeit eines Flüchtlingshelfers vom Deutschen Roten Kreuz konnte er wiedergefunden und zu seiner Familie zurückgebracht werden. Seine Familie hatte ihn für tot gehalten. Durch #missingkidsEU kann eine solche Suche zukünftig verkürzt, die Arbeit der vielen Helfer vereinfacht – und deutlich mehr Kindern in kürzerer Zeit geholfen werden. „Wir haben in den letzten Jahren gemeinsam mit unseren europäischen Partnern effiziente Strukturen erarbeitet, auf die wir in dieser Notlage zugreifen können“, so Bruhns. Norbert Müller, Bundestagsabgeordneter der Partei Die Linke und amtierender Vorsitzender der Kinderkommission des Deutschen Bundestages, ergänzt: „Der Schutz von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen ist eine politische und gesellschaftliche Aufgabe. Es steht im Interesse aller Länder, dieses Problem zu lösen. #missingkidsEU ist ein möglicher erster Schritt dazu, den ich sehr begrüße.“

Sprachübergreifende Suche über die gängigsten Kanäle

Bei der Entwicklung der Plattform wurde der Umstand berücksichtigt, dass viele Flüchtlinge per Smartphone erreichbar sind und so Neuigkeiten erfahren. Im Zentrum des Hilfsangebots steht die Plattform www.missingkids.eu. Hier können Vermisstenmeldungen aufgegeben und Hinweise abgegeben werden. Zudem lassen sich Betroffene via SIMSme, dem mobilen Messenger der Deutschen Post AG, informieren. Dem Datenschutz wird durch verschlüsselte Datenübertragung und Serverstandorte in Deutschland entsprechend Rechnung getragen. Ergänzt wird die Plattform durch die europaweit einheitliche Notrufnummer für vermisste Kinder 116000, die in Deutschland von der Initiative Vermisste Kinder betreut wird und derzeit in 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union verfügbar ist. Über das kostenfreie Angebot können sowohl Eltern nach ihren Kindern suchen als auch Kinder nach Ihren Eltern. „Europa braucht Struktur und Ordnung bei der Suche nach vermissten Flüchtlingskindern. Deutschland kommt hierbei als Hauptzielland der Flüchtlingsbewegungen der vergangen Monate eine besondere Verantwortung zu“, so IVK-Vorstand Bruhns.

Hoffnung auf Unterstützung durch Politik

Unbegleitete Minderjährige gehören zu der schutzbedürftigsten Personengruppe der Gesellschaft, da sie besonders gefährdet sind. Nicht jedes vermisste Kind ist einer akuten Gefahr ausgesetzt. Es gibt jedoch eine unbekannte Anzahl an vermissten Minderjährigen, die durch kriminelle Netzwerke bedroht, oder von ihrer Familie getrennt sind und nicht wissen, wie sie ihre Angehörigen finden können. Bei der Flucht sind viele von ihnen orientierungslos und haben nur vage Vorstellungen über das Zielland. So werden sie leicht Opfer der organisierten Kriminalität. Zahlen, wie viele Flüchtlingskinder ein solches Schicksal ereilt und wie viele in der Illegalität verschwinden, sind nicht bekannt. „Die Bundesrepublik hat den Minderjährigen gegenüber eine Schutzverantwortung. Dieser wollen wir uns stellen, indem wir mit #missingkidsEU die entsprechende Infrastruktur aufbauen, um die Situation zu verbessern. Hier ist auch die Politik gefragt, uns auf diesem Weg zu unterstützen. Wir hoffen auf ein entsprechendes Engagement der Parteien und Organisationen der Flüchtlingshilfe“, so Lars Bruhns.

fischerAppelt begleitet die Initiative Vermisste Kinder schon langjährig als enger Partner in der Kommunikation. Wir freuen uns sehr, dass als Reaktion auf die Meldungen zu vermissten minderjährigen Flüchtlingen mit #missingkidsEU jetzt eine internationale Verlängerung dieses wichtigen Projekts an den Start geht. Wir haben die neue Plattform mitentwickelt und übernehmen auch hier die Pressearbeit und die Verlängerung auf den Social-Kanälen wie Facebook und Twitter.




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