Neue Wege im Sportsponsoring

18.04.2017

Olympia-Fechter Matyas Szabo über Sport Content Marketing und stylishe Trikots.

Selbst eingefleischte Handballfans wussten nicht, ob sie sich freuen oder fürchten sollten, als die Deutsche Kreditbank (DKB) die Übertragungsrechte für die Handball-WM 2017 erwarb. Als Retter in der Not hatte die DKB den einstigen Volkssport vor einem medialen Blackout bewahrt. Die einen freuten sich über gratis Handball satt – zumindest im Livestream –, die anderen prophezeiten das Ende des Sportjournalismus, wenn nun plötzlich Unternehmen in der Berichterstattung mitmischten.

Dabei ist das Phänomen keineswegs neu. 2016 sicherte sich die Deutsche Telekom die exklusiven Übertragungsrechte für die Deutsche Eishockey Liga (DEL) für vier Spielzeiten. Seither überträgt das Unternehmen – allerdings als Pay-Angebot – mit eigenen Kamerateams, Moderatoren und Kommentatoren alle Spiele der DEL über sein TV-Angebot EntertainTV. Dazu wurde eine zentrale Content-Plattform geschaffen. Das Ergebnis: Die Zuschauerzahlen stiegen, das Angebot kommt an.

Sport als Content-Pool

Denn Sport liefert Content: Geschichten, Persönlichkeiten, Emotionen. Eine enorme thematische Vielfalt, die von Unternehmen noch viel zu selten genutzt wird. Sponsoring-Aktivitäten konzentrieren sich meist auf wenige Sportarten mit hoher TV-Präsenz. Über allem thront König Fußball. Für hohe Reichweiten und globale Sichtbarkeit müssen Sponsoren tief in die Tasche greifen. Die Frage nach der Relevanz stellt sich für viele Unternehmen kaum noch. Dabei sein ist scheinbar alles.

Doch es lohnt es, diese Strategie zu überdenken. Denn Nischensportarten bieten Gelegenheit für individuelles Storytelling. Mit verhältnismäßig geringen Investments lässt sich hochwertiger Content generieren. Das bedeutet jedoch auch, neue Wege zu gehen. Und dafür müssen alle Beteiligten umdenken: Unternehmen, Athleten und Verbände. Wie das gelingen kann, darüber macht sich Matyas Szabo, Fechtweltmeister und Mitarbeiter der Sportmarketing-Unit von fischerAppelt, fast täglich Gedanken.

Facelift für den Fechtsport

„Der Fechtsport muss raus aus muffigen Turnhallen, dorthin wo die Zuschauer sind“, fordert der 25-Jährige. Fechten auf Marktplätzen oder in Einkaufszentren? „Wieso nicht? Die technischen Anforderungen sind überschaubar. Das ließe sich durchaus bewerkstelligen.“ Auch der Auftritt braucht dringend einen Re-Launch. Da wäre beispielsweise die Fechtbekleidung: Obwohl die Regeln des Internationalen Fechtverbandes dies nicht explizit verlangen, tragen die Athleten klassisch weiß. „In anderen Sportarten sind die Outfits modisch – cool, stylish, lässig. Beim Fechten muss man schon genau hinschauen, um die Athleten nicht zu verwechseln“, sagt Matyas. Doch gerade in der Individualisierung liegt eine Chance. Denn Sport lebt von Typen – schillernd, schrill, extravagant. Sie liefern das Material für Geschichten. Erfolg ist dabei nur ein Faktor. Entscheidend ist guter Content.

Und der hängt nicht zuletzt an starken Bildern. „Fechten ist extrem spektakulär. Doch leider wird das in den Übertragungen kaum deutlich“, weiß Matyas. „Wir müssen über neue Darstellungsformen sprechen: zusätzliche Kameraeinstellungen, Zeitlupen, technische Einblendungen. Nur so kann die Ästhetik transportiert werden.“

Vom Amateurfußball lernen

Wie es gelingen kann, eine Sportart mit überschaubaren Mitteln ins Netz und auf die Bildschirme zu kriegen, zeigt das Streaming-Portal Sporttotal.tv in Kooperation mit dem Deutschen Fußball Bund (DFB). Mithilfe von 180-Grad-Kameras überträgt das Portal Amateurfußball live und vollautomatisch online. Unterstützt wird es dabei von Partnern wie der Deutschen Post.

Das Ziel ist klar: die Sichtbarkeit erhöhen. Denn Sportarten, die unsichtbar sind, bleiben es auch in den Köpfen der Menschen. Sie auf die Bildfläche zu bringen, ist das eine, ihre Geschichten zu erzählen, unsere Aufgabe. Das weiß nun auch Matyas. „Es gibt viele gute Geschichten auf und abseits der Planche. Wir müssen nur damit anfangen, sie zu erzählen.“ Und vielleicht wird ein stylisher neuer Fechtanzug die erste. „Blau-weiß gestreift wäre cool. Ich werde in den nächsten Tagen mal mit meinem Ausrüster telefonieren.“

Matthias Haller (li.) und Matyas Szabo

Unser sportbegeisterter Redakteur Matthias Haller (li.) hat mit Säbelfechter Matyas Szabo gesprochen: Weltmeister, fünffacher dt. Meister und Praktikant im Sports Marketing von fischerAppelt in Köln.




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