Der Zeitungszerleger

30.09.2016

Über Springer-Chef Mathias Döpfners Plan, sich „von Papier zu emanzipieren“.

Die deutschen Zeitungsverleger begingen ihr alljährliches Gipfeltreffen dieser Tage mit einem neuen Präsidenten: Mathias Döpfner, Chef des Global Players Axel Springer übernahm den Job von Regionalverleger Helmut Heinen.

Das ist zum einen amüsant, weil Döpfner sein Unternehmen vor einiger Zeit von der Hälfte der Zeitungen entlastet hat, weil er in ihnen keine Zukunft mehr sah. Zum anderen ist es wegweisend, weil der Springer-Boss in seiner Antrittsrede davon sprach, dass sich die Zeitungsverleger „von Papier emanzipieren“ müssten.

Was die Verlage digital anbieten, hat mit dem Format Zeitung wenig zu tun

Nicht weniger als ein Weckruf vom Ober-Verleger (der das meiste Geld längst digital und zunehmend abseits von Journalismus verdient) für einen Stand, der sich vielerorts seiner immer noch üppigen Renditen rühmt und sich daher mit der Emanzipierung schwer tut. Nun ist die Forderung, sich vom Papier abzuwenden schlussendlich die Forderung, sich von der Zeitung zu verabschieden. Denn das, was die Verlage digital anbieten, hat mit dem Format Zeitung wenig zu tun.

Die US-Zeitungsverleger haben das bereits erkannt und kurzerhand die „Zeitung“ aus ihrem Namen gestrichen. Statt Newspaper heißt der Verband nun News Media Alliance. Bleibt die Frage, ob sie dann überhaupt noch Verleger sind. Diese musste sich Yvonne Bauer die Tage von Redakteuren des Manager Magazins gefallen lassen. Resolut beharrte die Hamburger Verlagserbin auf der Bezeichnung.

Döpfner, der dem Verband offenbar der gleichen Disruption unterziehen möchte wie seinem (erfolgreichen) Verlag, agiert dagegen eher als Zeitungszerleger denn als -Verleger. Möglicherweise ein guter Name für die Umbenennung des Standes. Allerdings wird das noch etwas auf sich warten lassen. Döpfner hat seiner (?) Branche bis 2050 Zeit gegeben für die Emanzipierung.

Dirk Benninghoff

setzt als Chefredakteur digitale Storytelling-Impulse. Die bringt er unter anderem von der FTD, stern.de und BILD.de mit.




Mehr aus dem Blog