2b AHEAD ThinkTank: Predictive Analytics

04.07.2017

Oder: Warum VW nun Quantencomputer nutzt, um den Verkehr in Peking zu optimieren.

Bereits zum 16. Mal fand am 20. und 21. Juni 2017 der Zukunftskongress des 2b AHEAD ThinkTanks in Wolfsburg statt. Wir waren vor Ort, um mit „Predictive Analytics” und Big Data Computing einige der spannendsten Technologien der nahen Zukunft näher kennenzulernen.

Was will der Kunde?

Stellen wir uns mal kurz vor, Sie verkaufen mit Ihrem Unternehmen ein einfaches Standardprodukt, wie zum Beispiel eine Tube Zahnpasta. Jeder Kunde bekommt mehr oder weniger dieselbe Tube ausgeliefert. Dank gesammelter Daten über das Einkaufs- und Konsumverhalten des Kunden können Sie nun einiges über ihn in Erfahrung bringen: wann er die Zähne putzt, welche Konsistenz und Geschmäcker er mag. Dem Käufer genügt jetzt aber auf einmal die normale Standard-Zahnpasta nicht mehr. Er erwartet, dass Sie Ihr Produkt auf seine Bedürfnisse bzw. seinen Geschmack individuell anpassen können. Und zwar superflexibel, das heißt, je nach aktueller Tagesform und Laune. Und am allerbesten sollte die Zahnpasta-Tube genau wissen, wann sie leer wird und gleich eine neue bestellen. Alles zu kompliziert, und ihr „unintelligentes“ Produkt wird sich schon von alleine verkaufen?

Wie Quantencomputer helfen könnten

Vereinfacht geht es um die Frage, wie eine Ressource wie Zeit, Geld oder Energie optimal in einem bestimmten Szenario genutzt werden kann. Die Komplexität einer solchen Aufgabenstellung und der damit verbundene Rechenaufwand wachsen exponentiell mit der Anzahl der Faktoren und bringen konventionelle digitale Rechner schnell an die Grenzen. Hier kommen nun Quantencomputer ins Spiel, eine noch in den Kinderschuhen steckende neue Art des Big Data Computing. Das Rechenprinzip eines Quantencomputers eignet sich besonders für hochkomplexe Systeme, weil es auf soge­nannte Opti­mierungs­probleme spe­ziali­siert ist.

Quantencomputer von D-Wave

Mit Predictive Analytics zu Psychogrammen

Das können auch die Tools von Cambridge Analytica leisten: Deren Chefs behaupten, auf Basis von Social-Media-Aktivitäten die Psychogramme von 220 Millionen US-Amerikanern errechnet zu haben und so sehr genau voraussagen zu können, wie die gesamte USA auf unterschiedlichste Entwicklungen und Ereignisse reagieren wird. Das Analysemodell von Cambridge Analytica basiert auf dem sogenannten „Ocean Psychogram”-Prinzip. Wer sich damit selbst analysieren möchte, kann dies hier tun.

Ob Cambridge Analytica damit Donald Trump zum Wahlsieg verholfen haben oder nicht, weiß keiner genau. Ob Sie als Anbieter von Zahnpasta besser auf Ihre Kundenwünsche reagieren können? Ganz sicher! Denn wie verändern sich Ihre Geschäftsmodelle, wenn Sie die Psychogramme aller Ihrer Kunden kennen?

Verkehrsoptimierung mit Big Data

Auch Volkswagen arbeitet mit Quantencomputern. Erst jüngst wurde die strategische Partnerschaft mit dem Hersteller D-Wave bekannt gegeben. Dabei präsentierte VW eine Software, die auf Basis von Big Data Verkehrsflüsse in Peking optimiert, wodurch Staus präzise vorausgesagt werden können. Als Datengrundlage haben Experten des Volkswagen Code Labs in San Francisco und des Volkswagen Data Labs in München Daten von rund 10.000 Taxis aus der chinesischen Hauptstadt ausgewertet. Auch Google und die NASA nutzen die Technologie von D-Wave.

Predictive oder unpredictive – das ist hier die Frage...

Je genauer Sie über Ihren Kunden Bescheid wissen, desto mehr wird dieser erwarten, dass Ihre Produkte und Services individuell auf ihn angepasst werden. Und das zu jeder Zeit. Auf jede Lebenslage und aktuelle Situation angepasst. Ein selbstlernendes System. Es ist davon auszugehen, dass in zehn Jahren die Intelligenz des Quantencomputers nicht nur in Ihrem Smartphone (oder dessen Nachfolger) eingebaut sein wird, sondern auch alle mit Sensoren ausgestatteten Produkte erfassen und vernetzen kann. Die Frage ist dann, wie wir mit alle Predictive Data umgehen werden und ob sich der Mensch nicht auch darauf einstellen kann – und wieder komplett „unpredictive” reagieren wird.

Frank Schliefer

beschäftigt sich bei fischerAppelt mit kanalübergreifenden Bewegtbildlösungen und digitalen Trends.




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