Reality-Check für Virtual Reality

05.08.2016

Wir haben die neuen Virtual-Reality-Anwendungen auf Kundentauglichkeit geprüft.

Einem Wal aus nächster Nähe ins Auge schauen, als Pilot einen Düsenjet steuern oder durch ein impressionistisches Gemälde laufen – es gibt Träume, von denen wir wissen, dass sie niemals Realität werden. Weil sie zu kostspielig, wir zu ängstlich und unsportlich sind, oder es physikalisch schlicht unmöglich ist. Erleben können wir sie jetzt trotzdem: in Showrooms, auf Messeständen, zu Hause im Wohnzimmer – oder in unseren Agenturräumen. Möglich wird das durch einen ziemlich monströsen, lunchboxartigen Kasten, der wie eine Taucherbrille über den Kopf gestreift wird: eine Virtual-Reality-Brille. Was von außen ziemlich bescheuert aussieht, offenbart dem Anwender den Zugang zu einer völlig neuen Welt – zur Virtual Reality (VR).

Virtual Reality: Brille auf – und weg

Sobald die Brille richtig sitzt, ist die Wirklichkeit komplett ausgesperrt. Kein Lichtschein schimmert von außen durch. Von einer Sekunde zur anderen befinden wir uns neben einem Schiffswrack auf dem Meeresgrund, die Wasseroberfläche scheinbar meterweit entfernt, um uns herum nur Mantarochen und Quallen. Man spricht von Immersion, wenn sich die Wahrnehmung der eigenen Person in der realen Welt vermindert, während sich die Identifikation mit der in der virtuellen vergrößert. Wie gut das funktioniert, zeigt uns unser Magenkribbeln – ausgelöst durch einen dunklen Schatten, der immer näher kommt und sich als gigantisch großer Wal entpuppt.

Room-Scale-VR: Irgendwie magisch

Der Kopf sagt: „Der kann dir nicht gefährlich werden, der ist nicht real.“ Doch der Fluchtreflex ist schneller. Mit einem Schritt zur Seite weichen wir dem Wal aus, obwohl er uns ja nicht wirklich gefährlich werden kann. Schließlich stehen wir in Jeans und Sneakern in einem Konferenzraum – und haben dennoch das Gefühl, uns alleine auf dem Meeresgrund zu befinden. Ein Schritt zur Seite im Konferenzraum ist auch ein Schritt zur Seite in der virtuellen Realität. Room-Scale-VR nennt sich die Technik, die mittels zweier Sensoren unsere Bewegung im Raum erfasst und in die Anwendung überträgt. Ein Feature, das Virtual-Reality-Anwendungen von 360-Grad-Videos oder -Fotos unterscheidet. Im Gegensatz zu diesen werden Umgebungen und Räume in Virtual-Reality-Anwendungen nicht abfotografiert, sondern per CGI erstellt. Dies ermöglicht, dass sich der Benutzer frei im Raum bewegen und mit seiner Umgebung interagieren kann.

Mehr als ein Hype für Gamer

Eine besondere Stärke von Virtual Reality ist, vermeintlich Unerreichbares, wie zum Beispiel einem Wal in die Augen zu blicken, realistisch erlebbar zu machen – oder auch Dinge, die gar nicht existieren: Im eigenen Wohnzimmer lassen sich so erfolgreich Zombiehorden jagen und Laserschwertkämpfe austragen. Aber nicht nur die Zahl der Entertainment- und Games-Anwendungen für Virtual Reality wächst täglich. Auch für Unternehmen aus allen Branchen bietet Virtual Reality enormes Potenzial – sei es für die Produktentwicklung, für Schulungen, den Vertrieb oder die Kommunikation.

Wie Unternehmen Virtual Reality schon jetzt nutzen

Ein deutscher Automobilhersteller stattet derzeit seine Showrooms mit einer eigenen Virtual-Reality-Anwendung aus, dank der die Kunden ihr Fahrzeug selbst zusammenstellen und vor dem Kauf erleben können. Auch Bad- und Küchenhersteller planen ähnliche Showrooms. Airlines und Reiseveranstalter ermöglichen schon jetzt eine Virtual-Reality-Preview des Reiseerlebnisses. Vorbei also die Zeiten, in denen man erahnen musste, wie viel Meer der Meerblick und wie viel Beinfreiheit der Flug nach Übersee bietet.

Zukunftsmusik? Im Inneren des eigenen Blutgefäßes

In Zukunft werden wohl auch Musterwohnung per Virtual Reality vorab zu besichtigen sein – und Häusle-Bauer sich nicht mehr bis zum Hals verschulden müssen für ein Haus, das sie zuvor nur auf ausgedruckten Bauplänen gesehen haben. Für einen Herzpatienten wäre ein Spaziergang durch das Innere seiner verstopften Blutgefäße sicher keine schöne Angelegenheit, aber hilfreich dabei, ihm das Risiko eines Herzinfarkts sprichwörtlich vor Augen zu führen. Knapp 850 Millionen Euro werden deutsche Unternehmen im Jahr 2020 in Virtual-Reality-Lösungen investieren – zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Deloitte, dem Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT und des Digitalverbands Bitkom. Kein Wunder, denn: Virtual Reality ist nicht nur lustiger Zeitvertreib für Gamer, sondern kann richtig angewendet in allen Branchen den Umsatz steigern und sogar Leben retten.

Susanne Gotzek und Michael Reinhardt

sind als Senior-Redakteurin und Kreationsleiter beide Experten für Storytelling und immer auf der Suche nach neuen Ideen, Techniken oder Kanälen.

 




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