Die neue CEBIT im Check

19.06.2018

Christian vs. Dominik – Eine Diskussion über die Neuauflage des Branchenevents

Die CEBIT 2018 versprach ein runderneuertes Konzept mit mehr Festival-Charakter. Moderner, bunter, digitaler. Die ersten Zahlen klangen leider doch nach einer Niederlage: Wiederum sind die Besucherzahlen gesunken – in diesem Jahr von 200.000 auf 120.000. Dennoch zog Oliver Frese, Vorstand der Deutschen Messe AG, ein positives Fazit: „Alle von uns gesteckten Ziele wurden erreicht.” Wie geht das zusammen?

Wir haben unseren Strategen und „CeBIT”-Veteran der 90er, Christian, und Vorstandsassistent Dominik, CEBIT Beginner, nach Hannover geschickt. Wie kommt die neue CEBIT bei den beiden an?

„Spielplatz CEBIT” von Christian

Echt jetzt? Vor drei Jahren schrieb ich über die alte CEBIT. Und nun das. Eine CEBIT im Sommer. Ich bin ein Spielkind und probiere gerne aus. Auf „Stände” gehe ich nicht mehr gern. Kann mir mal jemand erklären, wozu man einen Stand hat, auf dem Mitarbeiter sitzen und Smartphone gucken, während ein Rollup mit Bulletpointliste die Leistungen von iPhone-Ladegeräten kommuniziert? Rausgeworfenes Geld. Ich will anfassen, mich begeistern lassen oder meine Stirn runzeln. Drei Erlebnisse, die das geschafft haben.

„The future of mobility” mit VW, e.Go und der Deutschen Bahn

Bester Stand in einer „gemischten Halle”: Volkswagen. AR-Exponate, große Bühne mit leuchtenden Farben, frisches Design, Vorträge und ein Ableger auf der Außenfläche als Beachbar. Themen wie IOTA-Wallets für die neue I.D.-Reihe und die Premiere des Roboterwagen-Konzepts „Sedric”, gut platziert, auch medial. Aufregend: Der Newcomer mit agilen Prinzipien, der arbeitet wie die Softwarebranche: e.Go. Ob als günstiger Kleinwagen und bald auch als Bus. Sympathisch von den Machern präsentiert, oft Studierende der RWTH Aachen. Und fahrbar direkt in der Halle auf dem Parkour. Interessant: der „Zug der Ideen” der Deutschen Bahn, der zeigt, was an digitalen Infoservices im Waggon alles möglich sein könnte.

„Make it yours” oder „Wie man eine Messe kapert” von Salesforce

Schon viel wurde über das klägliche Design vieler Stände geschrieben. Salesforce hat sich gefragt, wieso viel Geld ausgeben für einen Stand, statt gleich eine ganze Halle plus Außengelände zu mieten? Gefragt, getan. Wohl so entstand das „Trailblazer Country”, eine gelungene und visuell ansprechende, aber einfache Umsetzung. Mit Kino, Usecase-Ständen und Partnern wie mytaxi , die ein GIF-Auto am Start hatten. Und ein visuelles Motto, das sich durchzog: Baumstümpfe als Hocker, ein Bär als Maskottchen, grüne Teppiche und Buchsbäume.

Cat Content – „Würden Katzen Smartphones kaufen?”, fragt sich Whiskas

„Kat Institute of Technology” leuchtet es in Pink. Als Kind des Internets ist beim Thema Katzen natürlich volle Aufmerksamkeit da. Die Promoterin klärt mich auf: Studien hätten ergeben, dass Katzen weder an Internet-of-Things-Mäusen noch an über das Web steuerbaren Futterstationen Interesse hätten. Denn sie wollen eigentlich nur eines: Eine Pappbox zum Verkriechen. Die kann man mitnehmen, aber leider war sie am Donnerstag schon alle. Und das in der Halle „Future technologies”. Duckt sich hier jemand vor der digitalen Transformation oder eine genial absurde Idee? Oder soll man einfach drüber sprechen? Hiermit abgehakt. Bitte, liebe Agentur, die sich das ausgedacht hat.

„Mehr Versprechen als Erlebnis” von Dominik

Großes Gedränge, lange Wartezeiten und überfüllte Stände – all das hatte die CEBIT (glücklicherweise?) nicht zu bieten. Stattdessen breite Wege, große Freiflächen und teilweise vollkommen leere Gänge. Ich kam mir in mancher Ecke doch etwas verloren vor – auch wenn es dadurch insgesamt entspannter zuging.

Zuvor hatte ich mich mit gemischten Gefühlen auf den Weg zu meinem ersten CEBIT-Besuch gemacht. Eine Neuausrichtung mit verstärktem Festival-Charakter klang aus meiner Sicht erst einmal sinnvoll. Schließlich ging es bei Messen schon immer darum, dem Besucher ein relevantes Erlebnis zu bieten. Doch wie würde das Versprechen umgesetzt werden?

Tatsächlich blitzte hier und dort Neues hervor: ein Riesenrad von SAP, Streetfood und Drohnenrennen. VR, das Flugtaxi von Volocopter und die e.Go-Teststrecke. Die Symbiose aus Messe und Festival gelang allerdings noch nicht perfekt. Es war ein Schritt in die richtige Richtung, der noch mehr Konsequenz erfordert. Das Festivalgefühl muss noch viel stärker in die Hallen verlängert und in der Gestaltung der gesamten Fläche aufgegriffen werden. Die neue Ausrichtung sollte wirklich von allen gelebt werden. Nicht bloß ein Festival zwischen Messehallen. Verordnete Coolness bedeutet noch nicht, dass man wirklich hip ist.

Aufseiten der Aussteller bedarf es noch mehr Mut. Es reicht nicht, sich mit leeren Schlagworten und 08/15-Aufstellern zu präsentieren. „Besser” muss dabei nicht „teurer” bedeuten. Wir brauchen mehr Involvierung statt Passivität. Technik in Aktion und zum Anfassen. Produkterlebnis statt Leistungsversprechen. Manche Unternehmen haben dies längst begriffen, bei einigen gibt es noch Optimierungspotenzial.

fischerAppelt auf der CEBIT 2018

Natürlich ist es immer einfach über andere zu schreiben, allerdings waren wir auch selbst dabei. Unsere Digitalvorständin Franziska von Lewinski sprach in ihrem Vortrag „B2B Influencer Marketing – Menschen vertrauen Menschen” über die Einsatzmöglichkeiten von Influencern im B2B-Sektor. Im Anschluss diskutierte sie gemeinsam mit Magdalena Rogl (Head of Digital Channels, Microsoft), Martin Frommhold (Pressesprecher, OTTO) und Dr. Winfried Ebner (Head of Social Media Business, Telekom Deutschland) über Mitarbeiter als sogenannte „Corporate Influencer”.

Liebe CEBIT, wir kommen nächstes Jahr nochmal vorbei und machen den CHECK 2.0. Bis dann!




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