„Schöner scheitern” mit künstlicher Intelligenz

18.03.2019

Ein Themenabend mit innovativen Tools, klugen Köpfen & dem Aufruf, mutig zu sein

Künstliche Intelligenz (KI) und Kreativität – wie passt das zusammen? Unter dieser Prämisse fanden sich am Mittwochabend rund 60 Gäste in der Office Bar des Münchner Büros ein. Im Rahmen der diesjährigen Munich Creative Business Week (MCBW) hatten wir zu einem Themenabend unter dem Motto „Künstliche Intelligenz und Kreation – von Otl Aicher bis Algorithmus“ geladen. Geschäftsführer und Standortleiter Andreas Haas begrüßte die illustre Gästeschar aus MCBW-Interessierten, Mitarbeitern, Kunden und solchen, die es werden wollen. Gleich zu Beginn eröffnete er die temporäre Ausstellung mit 14 Plakaten des Gestalters Otl Aicher, die seine Arbeiten wie etwa das Corporate Design der Metro Bilbao dokumentieren. Die Münchner Agenturräume sind von seinem Design für die Olympischen Spiele 1972 inspiriert.

Unsere Redner des Abends Jan Kruse, Johannes Buzási, Danusch Mahmoudi und Neil Kraski erläuterten in Impulsvorträgen, wie sich der kreative Arbeitsprozess im Vergleich zu früher verändert habe und welche Vorteile das Zusammenspiel von Daten und Kreation bringe.

Jan Kruse, Geschäftsführer unserer Designtochter LIGALUX, widmete sich dem Thema „Von KI zu VX“ und stellte die provokante Frage: „Kann KI auch Kreation?“ Die Antwort lieferte er direkt mit: KI könne mittlerweile schreiben, sprechen und sogar komponieren. Sie erstelle Bilder und Grafiken auf Basis eines Briefings und werde dadurch zum Art Director. Als man in Japan einen Art Director aus Fleisch und Blut gegen sein KI-Pendant antreten ließ, entschieden anschließend sich immerhin noch 54 Prozent für den Entwurf des Menschen. Die Zahl zeige aber, dass hier eine Veränderung stattfinde, so Jan.

Marken brauchen Content

Gespräche über Marke und Branding basieren auf persönlichem Geschmack, statt auf objektiven Werten. Doch Marken stehen vor vier grundlegenden Herausforderungen: Sie müssen spezifisch, kontext-sensitiv, agil und userrelevant sein. Auf dieser Grundlage wurde „Visual Experience“ (VX) entwickelt – ein Algorithmus, der den Markenauftritt mit diesen vier Punkten sowie mit dem Wettbewerb abgleicht. Das online-basierte Tool liefert Daten für ein differenziertes Gespräch über die Marke und ihre Funktionsfähigkeit. Anhand harter Faktoren und KPIs lasse sich diskutieren, wie eine Marke weiterentwickelt werden könne, erklärte unser Designexperte.

Mit dem Titel „Creative. Content. Technology.“ hatte advertising-Geschäftsführer Johannes Buzási seinen Vortrag überschrieben. Er berichtete, dass der Bereich Content derzeit ein unfassbares Wachstum verzeichne. „Studien zufolge prasseln momentan täglich etwa 10.000 Marketingbotschaften auf einen Kunden ein“, berichtete er. Die Folge: Konsumenten seien reizüberflutet, Werbung werde unpopulär.

Johannes befasst sich deshalb mit „Campaign Algorithm“. Diese Marketing-Kommunikation konzentriert sich auf drei Aspekte: Werbung soll Menschen emotional berühren. Content hingegen bleibt rational und überzeugt mit Argumenten. Analytisches umfasst der Aspekt Data und Technologie, der die Relevanz für die jeweilige Zielgruppe herausstellt. Wie funktioniert nun „Campaign Algorithm“? Zunächst gehe es darum, Zielgruppen-spezifisch zu agieren, um dann eine Argumentationslogik zu erarbeiten. Den Bereich Budget streifte unser Werbestratege nur kurz: „Auch mit kleinen Budgets lässt sich viel erreichen – mehr sage ich aber nicht, bevor es Ärger mit dem Vorstand gibt“, schloss er schmunzelnd.

Scheitern ist wie Fahrradfahren

Zum Mut, mit KI zu scheitern, riefen Neil Kraski und Danusch Mahmoudi von DKdL auf. In ihrem Vortrag „F(AI)L?“ sprachen Neil, der den Bereich Account Management und Business Development verantwortet, und Danusch, Geschäftsführer des Innovations Studio, darüber, wie wir uns den Maschinen allmählich annähern. Wie der Mensch sei auch die KI nicht frei von Fehlern. Beispiele, wie der Chat-Bot „Tay“ von Microsoft, den Twitter-User binnen 16 Stunden zum Rassisten machten, oder der autonom fahrende Tesla, der einen Roboter angefahren hat, beweisen dies.

Deshalb gaben sie sechs Prinzipien aus, um mit KI zu versagen. „Investiert ihr noch in Bitcoin oder schon in KI?“, fragte Neil Kraski in die Runde und erntete zahlreiche Lacher. Wer die Technologie in der Business-Strategie priorisiere, mit einer klaren Vision arbeite oder das Produkt perfekt machen wolle, werde letztlich immer scheitern. Das sei aber nicht schlimm: „Scheitern ist wie Fahrradfahren – ist man zwei Mal hingefallen, dann weiß man, wie man es fortan balancieren muss.“

Um den Menschen die Angst zu nehmen, starten Neil und Danusch den „AI Playground“. Einmal im Monat wolle man sich treffen, über Fehler in KI-Projekten sprechen und darüber, was man verbessern könne. Ihrer Einladung, sich für das erste Treffen in einer Teilnehmerliste einzutragen, folgten die Gäste zahlreich. Ohnehin fanden die Themen allesamt großen Anklang beim Publikum und so tauschten sich die Gäste im Anschluss an die Vorträge eifrig bei Wein, Häppchen und Snacks mit den Rednern aus.




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