Zwischen Netzpolitik und Bällebad

09.05.2018

fischerAppelt auf der re:publica 2018

Wie jedes Jahr kam am gefühlten Sommeranfang die Netzgemeinde zur re:publica in Berlin zusammen, um über die Chancen, Vorzüge und Schattenseiten der Digitalisierung zu debattieren. Das Motto in diesem Jahr lautete „POP” in Anlehnung an den Kunststil Pop-Art, in dem Triviales zur Kunstform überhöht wird. Eine Analogie zu den Ausschweifungen des digitalen Überflusses unserer Zeit. Gleichzeitig sollte das Wort an das Platzen der viel zitierten Filterblasen erinnern.

Während netzpolitische Themen wie Fake News und Filterblasen den traditionell wichtigsten Themenkomplex der Konferenz darstellten, war der richtige Umgang mit Daten und Algorithmen ein weiterer Schwerpunkt kurz nach dem Datenskandal rund um Cambridge Analytica. Auch die Blockchain rückte als Buzzword dieses Jahr noch stärker in den Fokus des Festivals.

Die spannendsten Vorträge

Drei Vorträge sind dieses Jahr für mich besonders in Erinnerung geblieben:

Die Whistleblowerin Chelsea Manning nutzte den ersten Auslandsaufenthalt seit ihrer Inhaftierung für ein emotionales Interview am Eröffnungstag. Auf der re:publica wurde sie gefeiert wie ein Popstar – eine Rolle, an die sie sich erst noch gewöhnen muss. Das hat inhaltlich nicht unbedingt neue Erkenntnisse geliefert, gab allerdings einen spannenden Einblick in ihre Erlebnisse und ihre Arbeit.

Der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen hielt einen Vortrag zum Dauerthema Filterblasen. Laut seiner Studienergebnisse lassen sich Filterblasen weder empirisch nachweisen, noch auf Algorithmen von Netzwerken oder Seitenbetreibern zurückführen. Vielmehr entsteht der Effekt durch unsere Selbstbestätigungssehnsucht, durch die wir selbst selektieren, mit welchen Inhalten und Meinungen wir im Internet konfrontiert werden.

Das Thema Fake News war auf der Konferenz in aller Munde. Der Journalist Richard Gutjahr geriet in das Fadenkreuz von Verschwörungstheoretikern, nachdem er sowohl von dem Terroranschlag in Nizza, als auch dem Amoklauf in München berichtete. In seinem Vortrag schilderte er, wie seine Familie zum Ziel von Hasskommentaren wurde und mit welchen Strategien und juristischen Mitteln er sich gegen Trolle und Fake News zur Wehr setzt.

Der beste Stand

Man müsste meinen, dass eine Audiothek auf einer Digitalkonferenz nicht besonders viel Aufmerksamkeit erzeugen kann. Die ARD ließ sich allerdings etwas Besonderes einfallen, um ihre Podcasts anzupreisen. Vor dem „Salon Helga” standen die Besucher Schlange, um in dem liebevoll gestalteten Haarsalon zwischen Blümchentapete und Plüschmöbeln unter Trockenhauben der ARD-Mediathek zu lauschen. Dazu wurden von aufmerksamen Mitarbeiterinnen stilecht Kaffee und Eierlikör serviert.

Unsere eigenen Highlights auf der re:publica

Obwohl es dieses Jahr keine eigene Aktion gab, war die Präsenz von fischerAppelt die bislang größte seit dem Bestehen des Festivals.

Digitalvorständin Franziska von Lewinski diskutierte gemeinsam mit Vreni Frost und der Direktorin der Bremischen Landesmedienanstalt über die Sinnhaftigkeit von Kennzeichnungspflichten und Transparenz im Content Marketing und Native Advertising.

Christian lud in seinem Panel unter dem Titel “Wenn Technologie zum Hype wird: von Medien, Blockchains & Krypto” zum Gespräch über die Berichterstattung und Entwicklung von Blockchains ein.

Weiterhin fand wie jedes Jahr unsere Bits & bites Rooftop-Party statt. Mit etwa 350 Teilnehmern mauserte sich die Party inzwischen zu einem der beliebtesten Side-Events der re:publica. Bei schönstem Wetter wurden die Besucher bis tief in die Nacht zu seichten Beats mit Wurst und Bier verwöhnt.

Wir sehen uns im nächsten Jahr wieder – voraussichtlich mit einer Wurst in der Hand auf dem Dach der Wonderland Studios.

Frederik Schmidtke

beschäftigt sich bei fischerAppelt mit digitalen Strategien, Zielgruppen und Innovationen.




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