#rp17: (K)eine Chance für die Liebe

12.05.2017

Die re:publica 2017 – und das Lieblings-Medienthema Fake News.

Fake News haben in Deutschland bisher keine einzige Wahl beeinflusst, kein Medium in den Abgrund gestürzt, kein anderweitiges Erdbeben
verursacht. Und doch arbeitet sich das Medienfach mit Besessenheit am Thema ab. Auf dem Digitalfestival re:publica in Berlin zählte der penible Besucher diese Woche 35 Programmpunkte zum Thema. Dabei war das diesjährige Motto doch #LOVEoutLOUD, also ein beherztes Bekenntnis gegen den allgegenwärtigen und angeblich immer schrecklicheren Hass im Netz.

Der war eigentlich schon 2016 eines von zwei Topthemen auf vielen Veranstaltungen. Es stand schon zu befürchten, dass Anti-Hass und Fake News verrührt werden. Häufig werden Netz-Hass und Netz-Lügen vermengt. Dabei hat uns die Fake-News-Industrie zig heitere, mitnichten Hass-schürende Perlen wie „Trump: Die Erde ist eine Scheibe” beschert. Auch die Mutter aller Fake News, Milch sei gut für die Knochen, ist nicht aus reinem Hass gebraut.

Die Debatte dient aus meiner Sicht tradierten Medien dazu, mit erhobenem Zeigefinger über die von Lügen heimgesuchten sozialen Netzwerke zu richten. Sie ist letztlich vor allem ein verzweifelter Versuch von Sendern und Zeitungen, die Deutungshoheit zurückzuerlangen. Die Referenten der re:publica liefern argumentative Schützenhilfe, indem sie zum Beispiel das Reuters Institute of Journalism eine alte Studie wiederkäuen lässt, die besagt, dass junge Menschen leichter auf Fake News hereinfallen, weil sie Abstand von klassischen TV-Sendern und Zeitungen genommen haben.

Das diesjährige Motto #LOVEoutLoud war strategisch hervorragend gewählt und hätte grundsätzlich auch jede Menge Stoff geboten. Über Liebe kann man eigentlich nie genug reden. Für die Medien blieb es dann doch bei den bekannten Fake News.

Dirk Benninghoff

setzt als Chefredakteur digitale Storytelling-Impulse. Die bringt er unter anderem von der FTD, stern.de und BILD.de mit.




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