SPREAD Talk in den Berliner Wonderland Studios

31.01.2017

Rund 100 Gäste kamen zu unserer Talkrunde mit SPIEGEL, ZEIT und VICE.

Neuer Standort, neuer Stadtteil, neues Format: Wir haben zur Talkrunde nach Prenzlauer Berg geladen und schon vor der offiziellen Eröffnung einen Einblick in die neuen Räume unseres Berliner Offices gewährt.

Hochkarätige Gäste beim Berliner SPREAD Talk

Unser Chefredakteur Dirk Benninghoff hatte eine prominente Runde zum SPREAD Talk versammelt, um über „Medien 2017 – zwischen Fake News und Filterblase“ zu diskutieren. Am Start waren Susanne Amann, stellvertretende Wirtschaftschefin beim SPIEGEL, Laura Himmelreich, Chefredakteurin von VICE Deutschland, Jörg Quoos, Chefredakteur bei der FUNKE Mediengruppe und Jörg Wegner, sein Pendant von ZEIT Online. Kurzum: „Einige Meinungsführer des deutschen Journalismus“ (PR-Journal).

Und die zogen reichlich Gäste in den neuen „Hutmacher-Floor“ im 6. Stock der Wonderland Studios. Rund 100 Leute waren gekommen, um den Schlagabtausch zu verfolgen, der vor allem entbrannte, als Jörg Wegner von den Kollegen weniger Trump forderte. Medien schenkten dem „Lügner“ zu viel Aufmerksamkeit, so der oberste Journalist von ZEIT Online. Die anderen drei wollten ihm da nicht folgen.

Der US-Präsident war bei der Debatte unvermeidbar. Benninghoff hatte die Runde eine Woche nach seiner Wahl eingeladen, nun war er bereits eine Woche im Amt – und der Auftakt dynamischer als befürchtet. Himmelreich machte Verunsicherung bei ihren US-Kollegen in der VICE-Zentrale aus, sieht Trump aber auch als Ansporn für Journalisten. „Die Jugend ist aufgewühlt“, so die Chefredakteurin des Mediums.

Der SPIEGEL reagiert auf die Fake-News-Debatte mit einer Stärkung seiner ureigenen Kompetenz: Das Magazin will seinen Faktencheck hervorheben. Noch mehr Gewissheit in Zeiten der Verunsicherung. „Wir können beweisen, dass wir die Wahrheit schreiben“, sagt Amann – und dies soll den Lesern noch klarer werden. Sie sieht auch ihr Magazin in der Vertrauenskrise. Selbst Abonnenten, die dem SPIEGEL wohlgesonnen seien und einen akademischen Hintergrund hätten, „lassen in Leserbriefen alle Hemmungen fallen“.

Kollege Quoos glaubt weiterhin, dass man mit Qualität und starker Recherche Leser gewinnen kann, gerade in Zeiten, in denen der Wahrheitsgehalt dessen, was in der Presse steht, angezweifelt wird. Wichtig ist für den erfahrenen Zeitungsmacher, „dass wir als Medien keinen Unsinn verbreiten“. Man müsse nicht der Schnellste sein oder die besten Artikel schreiben. Wichtig sei, dass alles stimme.

Medien und ihre Filterblase

Das war bei Wegners Kollegen kürzlich nicht der Fall. Eine falsche Eilmeldung zum angeblichen NPD-Verbot sorgte für Spott und Kritik am übereilten Online-Journalismus. Bitter für ZEIT Online, denn an sich ist die Newssite ein wohltuender Hort der Abgeklärtheit in Zeiten permanenter Aufregung.

Und wie kommen Journalisten aus ihrer Filterblase? Haben sie den Kontakt zu den „normalen Leuten“ wirklich verloren? Amann kritisiert zumindest, dass die Belegschaft beim SPIEGEL weder in Sachen Herkunft noch bei der Geschlechterverteilung auch nur annähernd die Bevölkerung repräsentiere. Und auch der sehr hohe Akademikeranteil ist für die Sprecherin der Mitarbeiter-KG ein Malus. Möglicherweise macht das Beispiel der SPD, die einen Kanzlerkandidaten ohne Abi nominiert, ja auch beim SPIEGEL Schule.

Wegner sucht auf andere Weise Volksnähe. ZEIT Online wird rechtzeitig vor der Bundestagswahl auf große Deutschlandreise geht, um unser Land zu erkunden. Passt gut: Bis dahin wird der Chefredakteur Trump so richtig über haben.

Dirk Benninghoff

setzt als Chefredakteur digitale Storytelling-Impulse. Die bringt er unter anderem von der FTD, stern.de und BILD.de mit.




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