bento und Co. – Content für Millennials

28.10.2015

Trend-Talk: Unser Redaktionsleiter nimmt die neuen Jugendportale unter die Lupe.

Warum starten Springer, Zeit und Spiegel fast zeitgleich neue digitale Angebote für junge Leser?

Dafür gibt es zwei Gründe: einen journalistischen und einen wirtschaftlichen. Journalistisch betrachtet haben die großen alten Medienmarken im eh schon schwierigen Kampf um junge Leser neue bedeutende Konkurrenz erhalten. BuzzFeed und Vice ziehen das Publikum mit ganz neuen Erzählformen in ihren Bann. So ist eine komplett neue Nachrichtendidaktik entstanden.  

Eine entsprechende Zuspitzung der Themen und neue Erzählweisen bieten nun auch bento, ze.tt und Co. Letztlich geht es um Journalismus für Millennials.

Die Portale sind ein großes Investment. Welche wirtschaftlichen Überlegungen stecken dahinter?

Die Verlage nutzen die Plattformen als Labor für neue Erlösmöglichkeiten. Native Advertising beispielsweise lässt sich hier in all seinen Facetten ausführlich testen. Nach und nach wird diese Werbeform auf den Jugendplattformen den guten alten Banner ablösen. Mit doppeltem Effekt: Die Verlage verdienen Geld und der Leser bekommt statt buntem Werbegebrüll Content, der komplett in seinen Relevanzradius fällt. BuzzFeed zum Beispiel verdient so im Wesentlichen sein Geld. Redaktionelle Beiträge und bezahlte Beiträge stehen gleichwertig nebeneinander.

Aber weichen die journalistischen Marken nicht ihren Kern auf, wenn sie zukünftig werbliche und redaktionelle Inhalte vermischen?

Nebeneinander stehen heißt nicht vermischen. Was bezahlt ist, wird auch hier gekennzeichnet. Aber der Generation der Millennials sind die alten journalistischen Prinzipien egal. Sie klicken, was sie relevant finden. Wenn der gesponserte Content ihnen die gleiche Infotiefe oder die gleiche spannende Story wie ein redaktioneller Beitrag bietet, dann beschweren sie sich nicht darüber.

Wird es diese neuen Erzähl- und Werbeformen auch auf den klassischen Plattformen der Verlage geben?

Dort ist die Leserschaft eine andere und die Mutter-Medienmarken stehen für eine große journalistische Unabhängigkeit. Native Advertising kann sie beschädigen. Neue Erzählformen wird es aber auch auf den klassischen Portalen geben. Etwa durch die Einbindung von Ready-to-use-Formaten von Playbuzz und Storify.  

In Sachen Werbefinanzierung geht der Trend aber eher zu Content über bezahlte Empfehlungsteaser, die den Leser aber dann aus dem redaktionellen Angebot heraus auf andere Plattformen lenken. So dass die werbliche und redaktionelle Welt nach dem ersten Klick klar getrennt bleiben.

Werden die Jugendportale alle überleben?

Wenn viele Anbieter gleichzeitig starten, kommt es über kurz oder lang zu Konsolidierungen. Gerade weil mit BuzzFeed und Vice schon Marken mit hoher Credibility am Markt sind. Klar ist: Wir werden zukünftig also eher zwei redaktionelle Angebotsrichtungen erleben. Die investigativ geprägte und die contentgetriebene.

Überleben werden die, die es konsequent machen. In der journalistischen Erzählweise und in der Vermarktung. Denn Millennials wollen eine starke Haltung und einen hohen Wiederkennungswert.

Leif Ullmann

beschäftigt sich als Director Content mit Formatentwicklung und Content-Trends.




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