„Virtual Reality spielt mit den Sinnen”

09.06.2017

Interview mit Dominic Eskofier, Virtual Reality Manager beim US-Konzern NVIDIA.

Dominic Eskofier bezeichnet sich selbst als „Virtual Reality Enthusiast“. 2012 kam der Bayer das erste Mal mit der neuen Technologie in Berührung, heute arbeitet er für den kalifornischen Konzern NVIDIA als Virtual Reality Manager EMEAI in München und ist dort für den gesamten europäischen VR-Markt zuständig.

Wir haben doch schon unsere eigene Wirklichkeit. Warum sollten wir uns einer virtuellen Realität hingeben?

Zunächst stellt die eigene die schönste aller Realitäten dar. Das wird sich auch nie ändern – auch nicht durch VR. Ich sehe in Virtual Reality letztlich eine logische Konsequenz der medientechnologischen Entwicklung insgesamt. Der Mensch ist es gewohnt, dem Trubel des Alltags durch die Nutzung von Medien jeder Art zu entfliehen. Deshalb liest er Bücher, schaut Filme – eben, um sich zu unterhalten und die gewohnte Realität ab und zu hinter sich zu lassen. Und für mich ist Virtual Reality der nächste logische Schritt in dieser Reihe von Medien.

Sie haben Ihren Job bei Rockstar-Games gekündigt, um mit VR aufs Ganze zu gehen. Sie beschafften sich Input im Silicon Valley, gründeten mit realities.io ihre eigene VR-Firma und betreiben unter reddit.com/r/oculus das wohl größte VR-Forum weltweit. Wie wurden Sie zu diesem VR-Verfechter?

Ich hatte das Glück, schon 2012 auf der Gamescom den Prototypen der Oculus Rift testen zu dürfen, als die VR-Brille noch nicht mehr war als ein Handy- Display mit Linsen und Sensoren, die ein Klebeband mehr schlecht als recht zusammenhielt und bei der die Darstellung noch recht pixelig war. Schon damals faszinierte mich jedoch, wie VR mit den eigenen Sinnen spielt. Ich war überrascht, wie mein Sehsinn plötzlich meine anderen Sinne kontrollierte, wie zum Beispiel auch mein Gleichgewichtssinn getäuscht wurde.

Beschreiben Sie die Erfahrung doch mal genauer…

Ich stand in diesem virtuellen Szenario damals vor einem Abgrund und wusste als grundlegend rationaler Mensch, dass mir nichts passieren kann und wird. Trotzdem war der visuelle Eindruck so stark, dass ich mich kurz so gefühlt hatte, als stünde ich wirklich dort. Und ich traute mich nicht, einen Schritt nach vorne zu gehen. Dieses Erlebnis hat mich in der Folge nicht mehr losgelassen. Seither versuche ich im Rahmen meiner Möglichkeiten alles, um VR voranzutreiben.

Laut Gartner’s Hype Cycle startet VR nun durch. Warum ist 2017 das Jahr von VR?

Manche glauben, dass die Entwicklung von VR noch durch ein Tal muss. Ich denke aber gemeinsam mit vielen anderen, dass wir Gartners „Gap of Disappointment“ schon durchlaufen haben und auf dem Weg zur Plateau-Phase sind.

Ist 2017 also realistisch?

Nein, das nicht. Es wird schon noch eine Weile dauern, bis VR endgültig in der Masse angekommen ist. Denn die Adaption von Medien braucht immer ihre Zeit. Auch das Internet als World Wide Web wurde 1993 erfunden, und dennoch haben wir auch hier noch eine Entwicklung vor uns, die wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht einmal vorhersehen können. So wird es sich auch mit VR verhalten. Ich bin mir aber sicher, dass VR über kurz oder lang die Art, wie Menschen mit Computern inter-agieren, grundlegend verändern wird.

Was macht Sie so sicher?

Weil man durch Virtual Reality sehr intuitiv mit Medien und Computern umgeht, weil es eben jener natürlichen Form des Umgangs mit seiner Umwelt entspricht, die der Mensch aus der echten Realität bereits kennt. Er ist es gewohnt, nach links zu schauen und dann dreht sich seine Welt auch nach links. Er ist es gewohnt, mit seinen Händen zu tasten und seine Sinne so zu füttern. Ganz so ist es in VR. Das heißt, man muss sich nicht besonders an die Technologie gewöhnen, weil man ihre Funktionsweise schon kennt. Das finde ich eine tolle Sache.

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Foto: Microsoft

Dominic Eskofier

ist beim kalifornischen Konzern NVIDIA als Virtual Reality Manager EMEAI in München für den gesamten europäischen VR-Markt zuständig.




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