Warum Technology-PR Consumerization braucht

10.10.2014

In der Kommunikation zu Technologiethemen sollte die Perspektive des Endverbrauchers mehr Gewicht erhalten. Nur so lässt sich endlich eine breite gesellschaftliche Akzeptanz für Technik erreichen.

Den Projektplan aktualisieren: im firmeninternen Social Network. Neue Erkenntnisse aus dem Kundengespräch ins System einpflegen: während der Rückreise vom Termin über die CRM-App auf dem iPad. Soziale Medien und intuitiv bedienbare Apps auf mobilen Geräten haben ihren Ursprung in der privaten Nutzung – als Facebook oder Wetter-App.

Dass innovative Bedienkonzepte der Consumer-IT seit einiger Zeit die Entwicklung der IT für die Arbeitswelt prägen, ist kein Wunder. Sie vereinfachen die Bedienung und erhöhen den Nutzerkomfort in nie da gewesenem Maße. Etabliert hat sich für diese Entwicklung das Schlagwort “Consumerization”. Ein Prinzip, das sich auch die Technologie-PR zu Herzen nehmen sollte.

Sympathie statt Selbstzweck

IT im Unternehmen ist kein Selbstzweck. Ihre Nutzer verlangen Verständlichkeit und Einfachheit. Umso kompromissloser, je technikferner sie sind. Sie wollen verstehen, warum sie mit bestimmten Tools arbeiten müssen, wie sie die Arbeit erleichtern. Mit Consumerization ist es gelungen, die früher nutzerunfreundlich und oft unheimlich wirkende Technik sympathisch(er) zu machen.

Was heißt Consumerization? Zunächst nicht mehr als Annäherung an den Nutzer, seine Bedürfnisse und Gewohnheiten. Klingt unspektakulär, hat aber in Unternehmen Aufruhr verursacht. IT-Verantwortliche haben die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, weil auf Druck der Anwender Standards über Bord geworfen wurden und weil sie einen Teil ihrer angestammten Hoheit über die Systeme abgeben mussten. Dass mit der Consumerization neue Probleme in IT-Landschaften entstehen, lässt sich nicht abstreiten. Die Entwicklung ist gleichwohl zu begrüßen. Wie gearbeitet wird, bestimmen dank ihr nämlich nicht mehr ausschließlich von oben verordnete Technik-Standards. Immer stärker steht stattdessen im Fokus, wie Anwendungen so gestaltet werden können, dass sie für den Bediener komfortabel handhabbar sind – und dadurch konsequent genutzt werden anstatt sie zu umgehen.

Wie lässt sich Consumerization auf die Kommunikation übertragen?

Die Idee von Consumerization erscheint wie dafür gemacht, sie auf die Technologie-Kommunikation zu übertragen. Technologie prägt unser Leben wie nie zuvor und zugleich ist sie vielen Menschen unheimlich – trotz ihres zweifellos großen Nutzens: Sensoren in unserem Auto rufen uns schon in die Werkstatt, bevor wir mit unserem Wagen liegen bleiben. Die wachsende Gruppe der sehr alten Menschen in unserer Gesellschaft kann dank moderner Assistenzsysteme immer länger in der eigenen Wohnung leben. Aber nur wer die Vorteile von solchen Innovation auch dem Unbedarften erklären kann, kommuniziert erfolgreich über und für Technologie.

Hier mag der Einwand kommen: Verständlichkeit war doch schon immer das Credo von Kommunikationsabteilungen und -agenturen. Seit Generationen werden doch PR-Berater und Redakteure bereits in ihrer Ausbildung darauf getrimmt, verständlich zu kommunizieren. Was ist daran schon neu?

Dieser Einwand trifft nicht ganz den Kern. Consumerization geht einen deutlichen Schritt weiter. Sie hat gedanklich schon ihren Ausgangspunkt beim Verbraucher, beim Laien: So wie Technik sich dem Nutzer anpassen muss, muss sich auch Kommunikation über Technik dem Nutzer anpassen. Für Inhalte gilt das ebenso wie für Formate. User-zentrierter Content ist zu schaffen, Content, der sich auf ein zentrales Bedürfnis des Nutzers bezieht und den jeweiligen Kommunikationskontext aufgreift. Selbstverständlich gilt dieses Gebot nicht nur für die Publikums-, sondern auch für die Fach-PR.

Wir wünschen uns mehr Digital- und Technikoffenheit in der Gesellschaft. Auf den Konsumenten fokussierte Kommunikation baut Vorurteile ab und trägt dazu bei, die Akzeptanz für Innovation zu erhöhen. Das ist gut für die unsere Kunden. Und es ist gut für die Menschen, die in ihrem Alltag mit immer mehr Technologie konfrontiert sind.

Andreas Haas

leitet den Münchener Standort der Creative Content Group. Verbindet mit Begeisterung unterschiedliche Sichtweisen zu neuen Perspektiven.




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