#WW1 – Der Hashtag zum Weltkrieg

31.07.2014

Oder wie man aus historischen Ereignissen Creative Content macht.

Kann ein Ereignis, das hundert Jahre her ist, eigentlich zeitgemäß sein? In dieser Woche jährt sich der Ausbruch des Ersten Weltkriegs zum hundertsten Mal. Auch wenn die weltpolitische Lage gerade alles andere als stabil erschient, ist der World War One ein Ereignis, aus dem sich einiges lernen lässt. Stellt sich die Frage, bei welchem Content sich die heutige Generation mit dem #WW1 beschäftigen würde.

Wer auf die deutsche Medienberichterstattung schaut, findet recht routinierte Muster. Die Geschichtsabteilungen der großen Printmedien haben seit Beginn des Jahres alle wichtigen Ereignisse chronologisch beleuchtet, Titelgeschichten gemacht und auf Zeittafeln ihre Chronistenpflicht erfüllt. Und wie alle historischen Geschichten haben auch diese routiniert ihre Käufer gefunden. Alles richtig gemacht also? Geht so. Denn es geht auch anders. Bereits vor einigen Jahren zeigte @TheHistoryPress anhand des Untergangs der Titanic, wie sich historische Geschichten neu erzählen lassen. Und zwar bei Twitter, mit dem kürzesten aller Textformate. In 685 Tweets wurde die Katastrophe aus verschiedenen Blickwinkeln – als kämen die Nachrichten direkt von Bord – nacherzählt. Mehr als 68 000 Leser folgten der Story.

In der Aufbereitung des Ersten Weltkriegs hat die BBC jetzt mit einem History Rap ins Herz der Generation Viral getroffen und per smartem Bewegtbildformat den Kriegsausbruch erklärt. Das belegt zum einen erneut, dass die Briten sich bei Kriegsthemen leichter tun, aber auch, dass sich History-Content in aktuellen Formaten gut vermitteln lässt.

Die BBC lehrt aber noch mehr, denn heute geht es nicht mehr um die x-te Nacherzählung der Ereignisse, sondern um die Einordnung in die Jetzt-Zeit. So stellen sie zum Beispiel die etwas überraschende Frage danach, was sich aus dem Vertrag von Versailles zum Umgang mit dem Klimawandel lernen lässt.

History-Content ist spannend, wenn er in neuen Formaten und Kanälen unter ungewöhnlichen Fragestellungen verarbeitet wird: Zum Beispiel gilt das Attentat von Sarajevo als der wohl dilettantischste Mordanschlag aller Zeiten. Und es belegt, wie zufallsbasiert der Auslöser des Ersten Weltkriegs eigentlich war. Der perfekte Stoff für eine Multimedia-Reportage im Stile von „Snow Fall“ der New York Times.

Darin würde man auch erfahren, wie beim ersten Anschlagsversuch einer der Attentäter von Sarajevo aus Respekt vor der Frau Franz Ferdinands einen Rückzieher machte, während sich der Thronfolger selbst, statt zu flüchten, helfend in die Menge stürzte. Ein spannender Aspekt des Kriegsbeginns – jenseits ferngesteuerter Knopfdruck-Angriffe, die wie ein Computerspiel wirken.

Wer über die Gründe für Kriege, seine Schrecken und vielleicht auch über eine sich verändernde Kriegsethik berichten möchte, der braucht nicht zwingend einen Hashtag für seinen Content, aber er muss die Inhalte so aufbereiten und episodenhaft verpacken, dass das historische Wissen über Kriege und ihre Vorgeschichten, auch in der jungen Generation ankommt und geteilt wird.




Mehr aus dem Blog