Zuckerbergs Versagen, Facebooks Drama

23.03.2018

Der Neuigkeiten-Chef über den Prince of Darkness und Datenmissbrauch

Lange hat er geschwiegen. Und als er schließlich sprach, war es zu spät – viel zu spät und viele, viele Milliarden vernichtet. Der Skandal um Facebook und seinen dubiosen Kunden Cambridge Analytica hat offen gelegt, dass Mark Zuckerberg kommunikativ überfordert ist – vor allem, weil er ein für einen CEO fragwürdiges Selbstverständnis an den Tag legt.

Der Facebook-Gründer, einst Wunderkind in Badelatschen, gefiel sich zu gut in seiner Rolle als schweigsamer Prince of Darkness, als der Mann hinter der bösen Datenmacht, der sich zu profanen Alltagsproblemen nicht äußert, sondern sie gelassen aussitzt, falls er sie überhaupt wahrnimmt. Hatte schließlich gut funktioniert. Gewinne, Börsenwert, Privatvermögen: Alles wurde immer mehr, mehr, mehr. Medienpartner sauer, das Publikum immer älter, permanente Beschwerden der EU-Kommission. Keine Probleme aber, die „Zuck“ wirklich umzutreiben schienen.

Top oder Flop – der neue Bill Gates?

Wenn er sich mal herabließ, zu den Massen zu sprechen – natürlich nur via Facebook – ging es meist um seine philantrophischen Ambitionen. Zuckerberg sah sich offenbar als neuen Bill Gates – nur, dass der mit dem operativen Geschäft nicht mehr viel zu tun hatte, als er sich aufmachte, die Welt zu verbessern. Der Facebook-Gründer dagegen ist noch immer Vorstandschef seines Unternehmens, ein Posten, den er wohl besser abgeben sollte. Man hat nicht den Eindruck, es würde sich bei Zuckerberg um den operativen Chef eines börsennotierten Konzerns handeln. Dazu war er der Welt viel zu entrückt.

So sieht er sich gern: "Zuck" (li.) in einer Riege mit Weltverbesserer Bill Gates

Ein richtiger CEO hätte nicht schwerwiegenden Vorwürfen wie Datenmissbrauch, Datenlecks und zwei Tagen Kursverfalls kommentarlos zugesehen, um dann in einem verzweifelten Interviewtsunami zu versuchen, die Talfahrt zu stoppen. Vor allem dann nicht, wenn dazwischen auch noch die News die Runde macht, dass er selbst Aktien seines Unternehmens verkauft hat. Ein richtiger CEO wäre zur Mitarbeiterversammlung gegangen, um sich Fragen der verunsicherten Belegschaft zu stellen.

All das hat „Zuck“ nicht gemacht, und was anschließend bei den Interviews rüberkam, klang kaum glaubwürdig für einen Menschen, der schon vor Jahren Privatsphäre als überkommenes Modell bezeichnet hat. „Wir haben die Verantwortung, Ihre Daten zu schützen – und wenn wir dies nicht können, verdienen wir es nicht, Ihnen zu dienen.“ Klingt zwar demütig, aber als Datenschützer genießt Zuckerberg nun einmal kein Vertrauen. Ohnehin entstand der Eindruck, dass er die Aussagen nur machte, weil der Druck von Investoren und  Verbraucherschützern zu groß wurde.

#deletefacebook und die Folgen

Facebooks Asset sind die Mitglieder. Während ich bei Amazon – rein theoretisch gedacht – auch einkaufen und bei Google nach Texten suchen kann, wenn ich dort gerade ganz allein bin, macht Facebook ohne andere überhaupt keinen Sinn. Mehr als die Kunden anderer Plattformen bedarf Facebook also des Vertrauens seiner Mitglieder. Die haben wie Zuckerberg einiges ausgesessen, doch jetzt erklären unter #deletefacebook viele ihren Abschied von „The Network“.  Schuld ist Zuckerbergs permanentes Fehlverhalten. Bei anderen US-Konzernen haben Investoren Druck ausgeübt, um Underperformer auf Chefsesseln abzusetzen. Besonders Hedgefonds tun sich da gerne hervor. Und Facebook gehört aufgrund seiner Größe zu deren beliebtesten Investments. Liebe Heuschrecken: Es wird Zeit.




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