Die 5 wichtigsten KI-Trends für Marketer

17.01.2019

Diese KI-Themen wurden 2019 auf der CES in Las Vegas am meisten diskutiert

Papierdünne Notebooks, Roboterwelpen oder die Bierbrauanlage für Zuhause – dass es der Tech-Branche nicht an Kreativität mangelt, zeigt sich wieder in diesen Tagen auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas. Künstliche Intelligenz, eines der Metathemen der vergangenen Jahre, dominiert dort auch 2019.  Unser Head of Group Marketing Benjamin Werner war vor Ort in Las Vegas und analysiert die fünf wichtigsten KI-Trends auf der CES.

Kaum ein neues Produkt kommt ohne KI-Feature aus – dennoch kann derzeit noch nicht von einer omnipotenten Superintelligenz die Rede sein. Stattdessen kommt eine sogenannte schwache KI zum Einsatz, die Smarthome-Anwendungen steuert, Gesichtserkennung optimiert und Bots zum Sprechen bringt. Darüber hinaus arbeiten die Tech-Konzerne eifrig an neuen Einsatzgebieten und einer stetigen Weiterentwicklung „ihrer“ KI, um diese natürlich auch publikumswirksam auf der größten Tech-Messe der Welt zu vermarkten. So stellte LG am Montag Abend die nächste Evolutionsstufe des eigenen KI-Programms „ThinQ“ vor. Samsung präsentierte nur wenige Stunden vorher die Weiterentwicklung des ehemaligen digitalen Assistenten Bixby zur offenen KI Plattform. Welche KI-Themen werden in Las Vegas am meisten diskutiert und was hat Relevanz für Marketers?

1. Voice bleibt Trumpf, aber Smart Speaker ≠ Voice Assistant

Bei der CES Unveiled Amsterdam – einer nationalen Veranstaltung im Vorfeld der CES in Las Vegas – zeichnete sich bereits ab, dass smarte Lautsprecher das „Musthave“-Produkt 2019 werden. Erst vor Kurzem verkündete Amazon, dass 100 Mio. Alexa-Speaker verkauft wurden. GfK präsentierte im KI-Track der CES beeindruckende Konsumentendaten für den amerikanischen Markt. Insbesondere der steile Anstieg der Käufe über Smart Speaker zeigen den hohen Integrationsgrad dieser Devices im US-Alltag. Tom Webster von Edison Research erläuterte in seinem Panel „A Voice-Activated Life”, wie smarte Lautsprecher das Verbraucherverhalten veränderten aber vor allem auch, dass die thematische Reduktion auf Smart Speaker in die Irre führe. In 2019 werden viele andere Gebrauchsgegenstände weitere Schritte in Richtung Voice-Assistance machen. Byton macht beim Auto den Anfang.

Für Marketer ist jetzt der richtige Zeitpunkt, Strategien zu entwickeln, wie sie die Software hinter den Speakern nutzen können. Bietet man einen Service an, den mal als Nutzer in Anspruch nehmen will, auch wenn man gerade kein Smartphone in der Hand hat? Und kann man so eine Sprachassistenz auf die eigene Brand Identity anpassen, um eine markenspezifische Stimme zu entwickeln?

2. 5G befeuert IoT

m Frühjahr werden die Lizenzen für den neuen Mobilfunkstandard 5G von der Bundesnetzagentur versteigert. Zwar soll die fünfte Generation des Mobilfunks erst 2020 marktreif sein, auf der CES gibt es allerdings jetzt schon zahlreiche 5G-fähige Geräte zu sehen. Die gewaltige Bandbreite macht aus dem Mobilfunk eine stabile Standleitung ins Internet. 4G übertrifft der künftige Standard mit Geschwindigkeiten im Gigabit-Bereich deutlich, dadurch können riesige Datenmengen künftig drahtlos und in Echtzeit übermittelt werden. Hiervon profitiert zum Beispiel das Internet of Things mit Anwendungen wie Smart Grids, im E-Health-Bereich oder bei der Gebäudekonnektivität.

Zudem können Unternehmen auf ihrem Firmengelände eigenständig Frequenzen für 5G nutzen – für sie sind vor allem die geringen Latenzen spannend. Echtzeitanwendungen haben ihren Namen dann redlich verdient. Und hier liegt auch das Potenzial für Marketer: So sind z.B. Live-Übertragungen mit so geringer Verzögerung möglich, dass sie sich beispielsweise optimal für Produktpräsentationen eignen. AR und VR werden mit 5G deutlich relevanter werden. 4K-Filme können bis zu zehnmal so schnell geladen werden, was Marken insbesondere bei der Mobile- und Targeting-Strategie neue Optionen gibt.

3. Mit dem Robotertaxi durch die Smart City

Auch für autonomes Fahren ist 5G essenziell – nur so können selbstfahrende Autos in Echtzeit auf Veränderungen reagieren. Bislang nutzen Autobauer hierfür WLAN-Technologie, Sensoren und Satellitensignale. Doch der Bedarf nach einer verlässlichen Trägertechnologie steigt, je mehr autonome Fahrzeuge auf den Straßen unterwegs sind – und deren Verbreitung nimmt stark zu. Die Unternehmensberatung Roland Berger rechnet damit, dass die weltweite Nachfrage nach Spezialfahrzeugen für Mitfahrdienste bis 2020 auf rund eine Million Stück steigen wird. Bis zum Jahr 2025 dürfte sie sogar bei 2,5 Millionen Neuwagen liegen.

Die deutsche Automobilbranche hat das Potenzial erkannt und positioniert sich daher verstärkt im Bereich „Vehicle Technology“: Die Zulieferer Bosch, Continental, Schaeffler und ZF Friedrichshafen AG stellen auf der CES eigene Konzepte für urbane Mobilität vor, zum Beispiel autonome Shuttles für Smart Cities. Bosch arbeitet derzeit eng mit London Transport zusammen, um die Metropole verkehrstechnisch in eine Smart City zu verwandeln – und zwar mithilfe von fahrerlosen Mitfahrsystemen wie Robotertaxis. Der CTO von LG, Dr. I.P. Park, stellte zum Auftakt der CES ein neues Mobilitätskonzept für den öffentlichen Raum vor, dass für den Nutzer eine neue „Vehicle Experience“ liefern soll: Das Wohnzimmer-Feeling in einem autonomen Bus-Taxi. Hierzu zählen Full-Screen-Videos, VR und Online-Shopping in vorbeiziehenden, aber konnektiven Shops. Für Marketers entstehen hier neue interaktive Räume, die es mit Content zu bespielen gilt.

4. Digital Health

Die Verbesserung der Lebensqualität ist ebenso eines der Trendthemen der CES 2019. Betten, Brillen, Kopfhörer – alles wird smart. Creme wird künftig mit einem speziellen Diffusor so auf der Haut verteilt, dass kein Verreiben mehr nötig ist und selbst Sperma soll man(n) per Smartphone und einem speziellen Testkit selbst analysieren können. Die neuen Gadgets und Geräte ermöglichen es dem Konsumenten, seine Gesundheit zu dokumentieren oder zu verbessern und vereinfachen den Austausch mit Ärzten. Das Potenzial des Sektors ist riesig und reicht von der Telesprechstunde bis hin zu ambulanter Patientenüberwachung per Monitoring und neuen Diagnosemechanismen. Noch sind sowohl Patienten als auch Ärzte nicht umfassend genug darüber informiert, was die Tools können und wie sie die Gesundheit unterstützen – der perfekte Ansatzpunkt für Content-Marketing-Formate.

5. Entertaining Intelligence - Kreation aus der Feder der KI

Das Panel „The Future of Entertainment with AI“ befasste sich mit Technologien, die die Art und Weise, wie wir Content erstellen, bereitstellen und konsumieren, verändert. Schon heute beeinflusst künstliche Intelligenz Filme und Fernsehprogramme, komponiert Musikstücke oder übernimmt die Kameraarbeit. Und der chinesische Chatbot Xiaoice von Microsoft bemalt Leinwände, schreibt Gedichte und bringt eigene Musikalben heraus – mit Erfolg.

Dieser Beitrag ist zuerst bei HORIZONT erschienen.

Benjamin Werner

entwickelt als Head of Group Marketing Kundenlösungen, die es ermöglichen, in der neuen Relevanzlogik des Internets Aufmerksamkeit zu finden.




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