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Blick in die Zukunft

Das war der Web Summit 2023 in Lissabon

Benjamin Werner

Benjamin Werner

New Business, Kommunikation & Partnerships

Wenn man im November nach Lissabon blickt, hofft man auf einen Trailer für die Zukunft. Welche Technologien stehen vor dem Durchbruch? Wo entwickeln sich Märkte? Welche Geschichten erzählen die großen Plattformen und Marken über das, was in 2024 kommt. Welches Narrativ dominiert das kommende Jahr? Was verrät der Web Summit 2023 in Lissabon also über mögliche Zukünfte?

Zukunft des Web Summit: BigTech Comeback

Die Macht eines Tweets! Ein einziger Post hat die Dynamik eines Events verändert, das - mit zwei drei Peers - über die wahrscheinlich größte Business-Relevanz in Europa verfügt. Paddy Cosgraves wohl unvermeidlicher Rücktritt erinnert uns jedenfalls an die Wirkkraft von digitaler Kommunikation. Namhafte Unternehmen blieben dem Web Summit in Lissabon fern. Dafür nutzten rund 2.600 Startups und an die 900 Marken und Unternehmen das Treffen, um ihre Zukunftsfähigkeit zu beweisen oder schlicht Geld einzusammeln.

70.000 Gäste:innen aus 153 Ländern, davon 43 Prozent weibliche Teilnehmerinnen und 38 Prozent weibliche Speaker:innen, eine beachtliche Quote für die größte Tech-Konferenz der Welt. Die neue CEO Katherine Maher stellte einen neuen Führungsstil und eine bessere Debattenkultur auf dem Web Summit in Aussicht. Ob aus den diesjährigen Absagen von BigTech, darunter Google, Amazon, Meta, Intel und Siemens, in 2024 wieder Zusagen werden, ist mehr als wahrscheinlich. Weitere Ableger der Konferenz in anderen Weltregionen sind geplant.

Zukunft von Marketing: GenAI & Communities

Das Web Summit ist ein Dach für viele Themenkonferenzen. Die Panda Conference, ist der Marketingtrack innerhalb des Summits, also der Ort, wo Speaker:innen wie Annabelle Baker (Global Brand Director; Lush) oder Mary Carmen Gasco-Buisson (CMO; Pandora) Ihre Brand-Visionen teilen. Dort wurde das Programm allerdings vor allem, oh Wunder, von der Rolle generativer KI in der Transformation von Marketing, Werbung und Design dominiert. Daran konnte selbst Wikipedia-Gründer Jimmy Wales nicht rütteln, der während der Eröffnungsnacht Chat GPT aufgrund seiner Fehlerfrequenz als "ziemlich schlecht" bezeichnete.

Die Themen „Content Creation” und „Influencer” nahmen ihren üblichen Raum ein, jedoch waren Sustainability und Purpose wenig präsent im Vergleich zu den Vorjahren. Neben "GenAI" waren "Communities" die heimlichen Stars. Der aktive Aufbau kundenspezifischer Communities auf zielgruppenspezifischen Kanälen wurde anhand zahlreicher Cases erzählt: Von Gen Alpha über Gen Z bis 60+ oder von Hip Hop Community bis Foodies.

„German Futures”: Krauss statt Habeck

Deutschland war in diesem Jahr nicht nur der größte Aussteller, sondern auch Partner des Web Summit. Der „German Park” auf dem Messegelände stand unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz. Die Absage von Robert Habeck war politisch wohl notwendig, verhinderte aber leider auch, dass sich der erfolgreiche Gesamtauftritt der deutschen Delegation auch in der gewünschten Medienberichterstattung über den Innovationsstandort Deutschland niederschlug. Eigentlich war alles dafür angerichtet: Die größte deutsche Delegation seit jeher, 60 deutsche Start-Ups, Daniel Krauss (Gründer Flix SE) auf der großen Bühne in einem „Unicorn”-Panel , ein interaktionsstarker Messeauftritt und viel Austausch wie u.a. im „German Apartment”, das als Netzwerkformat in Lissabon im Namen des Ministeriums, der Digital Hub Initiative und der Agenturgruppe fischerAppelt 200 Corporates, Brands, Entrepreneure und VCs zu „German Futures” in den Austausch brachte.

Die großen Geschichten rund um Plattformen, Marken und Tech werden vielleicht bald in anderen Weltregionen erzählt.

Zukunft der (Tech-)Welt: „Westen” vs. „BRICS plus”?

Neben dem guten deutschen Auftritt versuchten sich viele Länder in der Tech-Welt zu positionieren, darunter UK, Österreich oder auch die EU. Es waren aber andere Player, die mit viel Invest und großen Ambitionen die Web Summit eroberten. Brasilien gehört schon seit Jahren zu den größeren Ausstellern. Dubai und Qatar zeigen sich ebenfalls mit starker Präsenz auf dem Messeparkett. Und wo finden die großen WebSummit-Konferenzen der nächsten Jahre statt? In Rio, Doha und Hongkong, während die Debatten um eine Ansiedlung der Tech-Konferenz in z.B. Berlin oder anderen europäischen Hauptstädten erlahmt zu sein scheint. Vielleicht ist dies auch ein Zeichen dafür, dass die großen Geschichten rund um Plattformen, Marken und Tech bald in anderen Weltregionen erzählt werden.

Den weltweit beachteten Startup-Pitch gewann jedenfalls Inspira, eine brasilianische KI-Gründung für Juristen, mit dem diese deutlich mehr Fälle bearbeiten können. Vielleicht ist dies auch für alle Marketers ein Weckruf, noch mehr in die vermeintliche Peripherie zu blicken, um zu verstehen, wie dort Märkte, Communities und Individuen ticken, wie Kreation und Kommunikation funktionieren. Zukunft entscheidet sich vor allem für große Marken ggf. mehr in diesen Regionen als in New York, London oder Berlin.

Der Beitrag „Blick in die Zukunft – Das war der Web Summit 2023 in Lissabon” ist zuerst erschienen bei Horizont  am 20. November 2023.